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Baumpflege-RatgeberHagen · Ruhrgebiet · Sauerland

Bäume im Sauerland: Kyrill, Fichtensterben und Wiederbewaldung

Region · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit · 5 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Der Hochsauerlandkreis ist zu rund 56 Prozent, der Märkische Kreis zu rund 50 Prozent bewaldet (IT.NRW, Stand Ende 2014). Orkan Kyrill warf 2007 in NRW 15,7 Millionen Festmeter Holz, vor allem Fichten im Sauer- und Siegerland, und die Borkenkäferkalamität 2018–2023 hat die älteren Fichten in tieferen Lagen fast vollständig beseitigt. Für Grundstücke am Waldrand bedeutet das: abgestorbene Fichten, Kahlflächen und junge Laubholzbestände sorgfältig beobachten.

Das Sauerland ist das waldreichste Gebiet Westfalens. Zwischen dem Arnsberger Wald im Norden und dem Rothaargebirge mit Kahlem Asten, Langenberg und Hunau im Südosten reiht sich ein bewaldeter Höhenzug an den nächsten. Für Baumbesitzer sind hier weniger Stadtbäume das Thema als Grundstücke am Waldrand, Hanglagen und die Folgen zweier großer Schadereignisse: Kyrill 2007 und das Fichtensterben ab 2018.

Wie viel Wald hat das Sauerland?

Der Hochsauerlandkreis ist zu 55,6 Prozent und der Märkische Kreis zu 49,8 Prozent bewaldet; beide gehören damit zu den waldreichsten Kreisen Nordrhein-Westfalens. Nach IT.NRW waren Ende 2014 im Hochsauerlandkreis rund 109.000 Hektar (55,6 Prozent der Fläche) und im Märkischen Kreis rund 52.800 Hektar (49,8 Prozent) Wald; der Landesdurchschnitt lag bei 25,9 Prozent.

KreisWaldflächeWaldanteil (31.12.2014)
Hochsauerlandkreis109.055 ha55,6 %
Märkischer Kreis52.810 ha49,8 %
Nordrhein-Westfalen882.806 ha25,9 %

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe nennt den Hochsauerlandkreis mit 1.071 Quadratkilometern den waldreichsten Kreis Westfalens (Stand Anfang 2018). Der Stadtwald von Brilon gilt mit 7.742 Hektar als das größte kommunale Waldgebiet Deutschlands (Stand 2019). Viele Wälder gehören jedoch privaten Eigentümern, oft in kleinen Parzellen.

Kyrill 2007: der Sturm, der die Fichtenwälder umwarf

Orkan Kyrill war der Einschnitt, der die Wälder des Sauerlands bis heute prägt. In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 warf er nach Angaben der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen 15,7 Millionen Festmeter Holz auf rund 50.000 Hektar um, zumeist Fichtenreinbestände. Am stärksten betroffen waren die Wälder im Sauerland und im Siegerland. Die Menge entsprach dem, was sonst in drei Jahren regulär eingeschlagen wird.

Nach dem Sturm wurde anders aufgeforstet: Auf den Kyrill-Flächen im Privatwald waren vor dem Sturm 93 Prozent mit Nadelholz bestockt, Ende 2015 lag der Laubholzanteil bei 47 Prozent. Viele dieser Flächen tragen heute junge Mischbestände, die an Wege und Grundstücke heranwachsen.

Fichtensterben seit 2018 und Wiederbewaldung

Das Fichtensterben seit 2018 ist die zweite große Schadwelle im Sauerland: Auf Kyrill folgten die Trockenjahre 2018 bis 2020 und eine Massenvermehrung der Fichtenborkenkäfer. Nach dem Waldzustandsbericht NRW 2025 umfasst die seit 2018 durch Windwurf und Borkenkäfer entstandene Nadelholz-Schadfläche landesweit rund 139.700 Hektar (Stand August 2025). Ältere Fichten stehen laut Bericht nur noch in den höheren Lagen von Eifel, Sieger- und Sauerland; diese kühleren, niederschlagsreicheren Standorte bremsen die Käfer. In den höheren Lagen des Sauerlands entwickelten sich 2025 nur zwei Käfergenerationen, und die Population im Sauer- und Siegerland ging gegenüber den Vorjahren deutlich zurück. Der Bericht betrachtet die Kalamität als beendet.

Für Grundstückseigentümer bleiben drei Aufgaben. Erstens: Einzelne tote Fichten am Garten- oder Wegrand werden mit jedem Jahr bruchanfälliger. Zweitens: Wo der Wald oberhalb von Häusern abgestorben oder geräumt ist, ändern sich Windverhältnisse und Lichteinfall für die verbliebenen Bäume. Drittens: Junge Wiederbewaldung braucht Platz und Pflege. Wie Sie einen Befall erkennen, steht bei den Borkenkäfern an der Fichte. Ob ein geschwächter Baum noch erhalten werden kann, erklärt der Ratgeber Baum erhalten statt fällen.

Welche Krankheiten und Schädlinge spielen eine Rolle?

Neben dem Borkenkäfer sind im Sauerland vor allem die Folgen von Trockenheit an Laubbäumen zu beachten. Buchen haben in den Dürrejahren Schäden an Feinwurzeln, Leitungsbahnen und Krone erlitten; laut Waldzustandsbericht 2025 haben sich diese Schäden zuletzt deutlich verringert, in exponierten und stark aufgelichteten Beständen treten aber weiterhin Hitzeschäden an Ästen und Stämmen auf. Mehr dazu unter Trockenstress bei der Buche. An geschwächten Buchen können Pilze wie der Brandkrustenpilz oder der Riesenporling die Bruchsicherheit beeinträchtigen. Der Hallimasch befällt bevorzugt vorgeschädigte Bäume verschiedener Arten. An Ahorn ist nach heißen Sommern die Rußrindenkrankheit möglich.

Sturm, Trockenheit und Waldbrand

Das Sauerland ist kühler und niederschlagsreicher als das Tiefland, doch auch hier nehmen Trockenphasen zu. An einer Messfläche des forstlichen Umweltmonitorings bei Arnsberg wurde im August 2025 in mittlerer Bodentiefe anhaltend kein pflanzenverfügbares Wasser gemessen. Die größten und häufigsten Waldbrände des Jahres 2025 meldete der Waldzustandsbericht aus dem Bergischen Land, dem Sauerland und dem Arnsberger Wald; gefährdet sind vor allem durch Dürre und Borkenkäfer vorgeschädigte Flächen. Nach Stürmen hilft der Ratgeber Sturmschaden am Baum.

Baumschutzsatzungen im Sauerland

Ob ein Baum auf Ihrem Grundstück geschützt ist, regelt Ihre Stadt oder Gemeinde, und viele Kommunen im ländlichen Sauerland haben andere Regeln als die Städte im Ruhrgebiet. Nach der eigenen Satzungsrecherche des Baumpflege-Ratgebers (Stand Oktober 2026) haben nur 4 der 21 im Ratgeber erfassten Städte und Gemeinden der Region eine Baumschutzsatzung: Iserlohn, Plettenberg, Kierspe und Neuenrade. Die übrigen 17, darunter Lüdenscheid, Arnsberg, Menden, Hemer und Meschede, haben nach diesem Stand keine. Satzungen werden geändert, neu erlassen oder aufgehoben; verbindlich ist die aktuelle Fassung Ihrer Stadt. Ob es eine Satzung gibt und was sie verlangt, finden Sie über die Ortsübersicht. Wie das Verfahren abläuft, erklärt der Ratgeber Baum fällen: Wann eine Genehmigung nötig ist.

Für Wald gelten andere Vorschriften als für Gartenbäume. Wer eine Fläche besitzt, die rechtlich Wald ist, sollte sich vor größeren Eingriffen beim zuständigen Regionalforstamt erkundigen. Außerhalb des Waldes verbietet § 39 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz, vom 1. März bis 30. September Hecken und Gebüsche sowie Bäume außerhalb gärtnerisch genutzter Flächen zu beseitigen oder stark zurückzuschneiden. Für Bäume im Hausgarten gilt diese Sperrfrist nicht pauschal; das Artenschutzrecht nach § 44 schützt aber besetzte Nester und Baumhöhlen zu jeder Jahreszeit. Einzelheiten stehen im Ratgeber Fällzeiten und Vogelschutz.

Städte und Gemeinden der Region

Ob eine Baumschutzsatzung gilt, ist von Ort zu Ort verschieden. Auf den Ortsseiten steht, was geschützt ist und wer Fällungen genehmigt.

Häufige Fragen

Wie stark hat Kyrill das Sauerland getroffen?

Nach Angaben der Landesregierung warf Kyrill in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 in NRW 15,7 Millionen Festmeter Holz auf rund 50.000 Hektar um, zumeist Fichtenreinbestände. Besonders betroffen waren die Wälder im Sauerland und im Siegerland.

Ist das Fichtensterben im Sauerland vorbei?

Der Waldzustandsbericht NRW 2025 betrachtet die 2018 begonnene Borkenkäferkalamität als beendet; im Sauer- und Siegerland ist die Buchdrucker-Population deutlich zurückgegangen. Einzelne Befälle bleiben möglich, besonders nach heißen, trockenen Sommern.

Darf ich abgestorbene Fichten im Garten jederzeit fällen?

Nicht unbedingt. Je nach Gemeinde kann eine Baumschutzsatzung gelten; nach der eigenen Recherche des Baumpflege-Ratgebers (Stand Oktober 2026) haben im Sauerland 4 von 21 erfassten Orten eine, nämlich Iserlohn, Plettenberg, Kierspe und Neuenrade. Unabhängig davon dürfen nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz besetzte Nester und Baumhöhlen zu keiner Jahreszeit zerstört werden. Für Bäume außerhalb von Wald und Gärten gilt zusätzlich die Sperrfrist vom 1. März bis 30. September nach § 39.

Welche Bäume pflanzt man im Sauerland statt Fichten?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, es hängt von Höhenlage, Boden und Platz ab. Auf den Kyrill-Flächen im Privatwald stieg der Laubholzanteil laut Landesregierung von 7 Prozent vor dem Sturm auf 47 Prozent Ende 2015.

Quellen

  1. IT.NRW: Bodenflächen in NRW nach Art der tatsächlichen Nutzung, Ausgabe 2015 (Stand 31.12.2014), Archivkopie
  2. LWL – Westfalen Regional: Waldflächen in Westfalen (Stand 2019), Archivkopie
  3. Land NRW: Schäden durch Kyrill auch 10 Jahre nach dem Orkan immer noch sichtbar (10.01.2017)
  4. Waldzustandsbericht NRW 2025, Langfassung (MLV NRW)
  5. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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