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Trockenstress bei der Buche: Folgen der Dürrejahre erkennen und Bruchgefahr einschätzen

Baumkrankheit · Aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit · 7 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Die Dürrejahre 2018 bis 2020 und 2022 haben viele Rotbuchen in NRW geschwächt: Typisch sind eine lichte Oberkrone, Totäste, Sonnenbrand und abplatzende Rinde, gefolgt von Rindenpilzen, Buchenprachtkäfer und holzzersetzenden Pilzen. Laut Waldzustandsbericht 2025 hat sich der Kronenzustand zuletzt deutlich gebessert, 36 Prozent der Buchen zeigen aber noch deutliche Kronenverlichtung. Geschwächte Buchen können Äste und Kronenteile verlieren; an Wegen und Häusern sollten sie fachlich kontrolliert werden.

Was ist mit den Buchen passiert?

Die Rotbuche hat in den heißen und trockenen Jahren 2018 bis 2020 und 2022 an vielen Standorten in Nordrhein-Westfalen erheblich gelitten. Der Waldzustandsbericht NRW spricht von „Buchentrocknis“ und von Schäden am Wurzelsystem, am Leitungssystem für Wasser und in der Kronenstruktur. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) beschreibt dasselbe Krankheitsbild als Buchen-Vitalitätsschwäche: Hitze und Wassermangel schwächen den Baum, in der Folge siedeln sich Rindenpilze, Käfer und holzzersetzende Pilze an. Es handelt sich also nicht um eine einzelne Krankheit, sondern um eine Kette von Schäden mit Trockenheit als Auslöser.

Die Buche ist dafür besonders anfällig, weil sie eine dünne, glatte Rinde hat und empfindlich auf plötzliche Besonnung reagiert. Laut Waldzustandsbericht 2022 stellt die Rotbuche ab 43 Grad Celsius die Photosynthese ein, ab 46 Grad sterben die ersten Zellen ab. Mit einer Wärmebildkamera an einer Drohne wurden im August 2022 in abgestorbenen Kronenteilen einer Buche im Forstbetriebsbezirk Lieberhausen bis zu 38 Grad gemessen, deutlich mehr als in den belaubten Bereichen. Je mehr Laub fehlt, desto stärker heizen sich die kahlen Äste auf.

Wie steht es aktuell um die Buche in NRW?

Der Kronenzustand der Buche hat sich 2025 deutlich gebessert, liegt aber weiterhin auf hohem Schadniveau. Die Zahlen aus dem Waldzustandsbericht 2025:

Kronenverlichtung Buche2025Veränderung zu 2024
keine24 Prozentplus 5 Prozentpunkte
gering40 Prozentplus 3 Prozentpunkte
deutlich36 Prozentminus 8 Prozentpunkte
mittlere Kronenverlichtung24,1 Prozent2024: 26,8 Prozent

Nach der Stagnation von 2021 bis 2024 brauchte die Buche zwei Jahre mit guten Bedingungen, um einen Teil der Schäden auszugleichen. Jüngere Buchen erholen sich schneller als ältere. Buchen mit nur geringen Kronenschäden haben in den letzten zwei Jahren teils eine sogenannte Sekundärkrone gebildet, also neue Triebe unterhalb der abgestorbenen Oberkrone. Gleichzeitig weist der Bericht darauf hin, dass dünnborkige Baumarten wie die Buche in aufgelichteten Wäldern vermehrt Hitzeschäden an Ästen, Trieben und Stämmen zeigen. Die Niederschlagsdefizite im August 2025 führten im Westen von NRW erneut zu Wasserstress. Einen deutlichen Anstieg der Absterberate stellte die Waldzustandserhebung bislang nicht fest.

Woran erkenne ich eine geschwächte Buche?

Eine durch Trockenstress geschwächte Buche zeigt die Schäden meist zuerst oben in der Krone, später auch am Stamm. Die folgende Übersicht stützt sich auf die Beschreibungen der NW-FVA und des Waldzustandsberichts.

MerkmalWo am BaumWann im Jahr
Schüttere Belaubung, kleine Blätter, früher LaubfallOberkrone, LichtkroneSommer; bei Hitze schon ab Ende Juli
Verlust des Feinreisigs, Totäste, abgestorbene WipfelOberkroneganzjährig, im Winter gut sichtbar
Rissige, abgestorbene, abplatzende Rinde (Sonnenbrand)besonnte Stamm- und Astseitenganzjährig
Schleimflussflecken auf der RindeStamm, Starkästeganzjährig
Querovale Ausfluglöcher, geschlängelte Larvengänge unter der RindeStarkäste, StammKäfer im Sommer aktiv
Pilzfruchtkörper, zum Beispiel Spaltblättling, ZunderschwammÄste, Stammganzjährig, viele im Herbst
Einseitig absterbende Äste mit noch grünem LaubKroneSommer

Besonders gefährdet sind laut NW-FVA frei stehende Altbuchen, Buchen in stark aufgelichteten Beständen, an südexponierten Hängen und Kuppen sowie auf flachgründigen oder zur Austrocknung neigenden Böden.

Welche Schädlinge und Pilze folgen?

Auf die Trockenschäden folgen typische Sekundärschädlinge, also Organismen, die bereits geschwächte Bäume befallen.

  • Buchenprachtkäfer (Agrilus viridis): ein 5 bis 11 Millimeter großer, metallisch schillernder Käfer. Seine Larven fressen geschlängelte, mit Bohrmehl gefüllte Gänge unter der Rinde von Ästen und Stämmen. Die Entwicklung dauert meist zwei Jahre. Die Forschungsanstalt WSL bezeichnet ihn als typischen Sekundärschädling nach längeren Trockenperioden. Durch Trockenheit gestresste Buchen lassen sich kaum vor ihm schützen.
  • Kleiner Buchenborkenkäfer (Taphrorychus bicolor): befällt den Stamm geschwächter Buchen und kann ebenfalls Schleimfluss verursachen.
  • Rindenpilze: Der Münzenförmige Rindenkugelpilz (Biscogniauxia nummularia) lebt unauffällig in gesunden Buchen und wird erst bei Trockenstress aggressiv. Er kann an lebenden, grünen Ästen einen streifenförmigen Rindenkrebs verursachen, sodass Äste zunächst einseitig absterben.
  • Holzzersetzende Pilze: In Krone und oberem Stamm wachsen häufig Spaltblättling und Schichtpilze, im Stamm Zunderschwamm, Angebrannter Rauchporling und Rotrandiger Baumschwamm. Am Stammfuß und an den Wurzeln können Hallimasch, Schüpplinge oder der Brandkrustenpilz folgen.

Wie gefährlich sind geschwächte Buchen?

Geschwächte Buchen können Äste, Kronenteile oder ganze Stämme verlieren, oft schneller als Laien erwarten. Die NW-FVA nennt als mögliche Folgen der Vitalitätsschwäche eine schnelle Holzentwertung sowie Stamm- und Astbruch. Holzfäule im Stamm führt zu Bruchgefahr, Fäule an Wurzeln und Stammfuß schließlich zur Gefahr, dass der Baum umstürzt.

Daneben gibt es den sogenannten Grünastbruch. Nach Angaben der Stadt Köln brechen bei anhaltender Hitze und Trockenheit auch scheinbar gesunde, starke Äste ohne Wind ab, häufig am Nachmittag. Als Ursache nennt die Stadt, dass Wassermangel Zelldruck und Spannung im Holz verringert. Betroffen sein können alle Baumarten, besonders häufig unter anderem Pappel, Esche, Rotbuche, Rosskastanie, Eiche und Weide. Solche Brüche sind laut Köln nicht vorhersehbar und auch durch regelmäßige Baumkontrollen nicht zu verhindern. Die Stadt verweist auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs, nach der ein natürlicher Astbruch ohne vorherige Anzeichen ein hinzunehmendes Lebensrisiko ist. Bei Buchen mit sichtbaren Schäden wie Totästen, Rindennekrosen oder Pilzbefall liegt dagegen ein erkennbares Warnzeichen vor. Rechtliche Fragen im Einzelfall klären Anwälte.

Was können Gartenbesitzer tun?

Die wichtigsten Hebel für Gartenbesitzer sind Wasser, ein schonender Umgang mit dem Wurzelbereich und Geduld beim Schnitt.

Wässern: Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt je nach Bodenart 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter je Gabe, auf sandigen Böden eher mehr. Lieber selten und durchdringend gießen als oft und oberflächlich, damit die Wurzeln in die Tiefe wachsen. Die beste Zeit sind die Morgenstunden. Auch ältere Bäume können bei Hitze und Trockenheit zusätzliche Wassergaben brauchen. Ein Regenmesser hilft bei der Kontrolle: 1 Millimeter entspricht 1 Liter pro Quadratmeter.

Mulchen: Eine Abdeckung mit Laub, Rindenmulch oder Kompost verringert nach Angaben der Landwirtschaftskammer das Austrocknen des Bodens. Die Kammer nennt das im Zusammenhang mit Winterschäden; dass Mulch auch im Sommer die Verdunstung bremst, ist ein Erfahrungswert aus der Praxis.

Standort schonen: Vermeiden Sie Bodenverdichtung, Aufgrabungen und Versiegelung im Wurzelbereich. Entfernen Sie benachbarte Bäume oder Hecken, die die Buche bisher beschattet haben, nicht schlagartig. Die WSL rät ausdrücklich, eine plötzliche Freistellung von Buchen an sonnigen Rändern zu vermeiden, weil sie Sonnenbrand und Prachtkäferbefall begünstigt.

Nicht stark schneiden: Starke Rückschnitte reißen die Krone auf und setzen Rinde zusätzlicher Sonne aus. Totholz zu entfernen ist sinnvoll, eine Kappung schadet. Mehr dazu unter fachgerechter Baumschnitt.

Was tut ein Fachbetrieb?

Ein Fachbetrieb beurteilt bei einer geschwächten Buche, ob von ihr eine Gefahr ausgeht und ob sie sich voraussichtlich erholt. Dazu gehören eine Kontrolle der Krone vom Boden und gegebenenfalls aus der Krone heraus, die Suche nach Rindennekrosen, Prachtkäfer-Ausfluglöchern und Pilzfruchtkörpern sowie bei Verdacht auf Fäule eine eingehende Untersuchung, etwa mit Schalltomographie, siehe Baumgutachten. Mögliche Maßnahmen sind die Entfernung von Totholz, eine Kronensicherung, engere Kontrollintervalle oder bei deutlich befallenen Bäumen die Fällung. Die WSL empfiehlt, deutlich besiedelte Buchen rasch zu fällen und befallenes Ast- und Kronenmaterial zu häckseln oder zu verbrennen. Ob eine Fällung genehmigt werden muss, regelt die Baumschutzsatzung Ihrer Stadt; zu den Schutzzeiten siehe Fällzeiten und Vogelschutz.

Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugen lässt sich vor allem durch einen Standort, an dem die Buche genug Wasser bekommt und nicht plötzlich in der prallen Sonne steht. Bei Neupflanzungen sollten Sie flachgründige, sehr trockene oder stark versiegelte Standorte meiden. Bestehende Buchen profitieren von einem lockeren, unbefahrenen Wurzelbereich, einer Mulchschicht, gezielten Wassergaben in Trockenphasen und einer regelmäßigen Sichtkontrolle, bei großen Bäumen an Wegen und Gebäuden durch eine fachkundige Person. Ob Ihre Buche nach einem Dürresommer gefährdet ist, lässt sich ohne Besichtigung nicht sagen.

Häufige Fragen

Erholen sich Buchen nach der Dürre wieder?

Viele ja. Laut Waldzustandsbericht NRW 2025 brauchte die Buche zwei Jahre mit guter Witterung, um einen Teil der Schäden auszugleichen; jüngere Buchen erholen sich schneller als alte. Die vollständige Regeneration wird nach Einschätzung des Berichts noch Jahre dauern.

Wie erkenne ich Sonnenbrand an der Buche?

An abgestorbener, rissiger oder abplatzender Rinde auf der besonnten Stamm- und Astseite, häufig nach einer plötzlichen Freistellung. Auf den geschädigten Stellen siedeln sich oft Pilze wie der Spaltblättling an.

Sind Grünastbrüche bei Buchen vorhersehbar?

Nach Angaben der Stadt Köln nicht. Sie treten bei anhaltender Hitze und Trockenheit auch ohne Wind auf und lassen sich durch Baumkontrollen nicht verhindern. Bei Bäumen mit bereits geschädigten Ästen ist das Risiko aber erkennbar höher.

Wie viel sollte ich meine Buche gießen?

Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt je nach Boden 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter je Gabe, lieber selten und durchdringend als oft und wenig, am besten morgens. Auch ältere Bäume können bei Hitze und Trockenheit zusätzliches Wasser brauchen.

Muss eine Buche mit Buchenprachtkäfer gefällt werden?

Bei deutlichem Befall empfiehlt die Forschungsanstalt WSL, die Buche rasch zu fällen. Am Haus oder Weg entscheidet die Bruchsicherheit, die vor Ort geprüft werden muss.

Quellen

  1. Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW: Waldzustandsbericht 2025, Langfassung
  2. Ministerium NRW: Waldzustandsbericht 2022, Langfassung (Kapitel Buchentrocknis)
  3. Langer, G. J. (NW-FVA): Komplexe Erkrankungen bei älteren Rotbuchen. Forstpraxis 24/2019
  4. Waldschutz Schweiz (WSL), Diagnose online: Buchenprachtkäfer, Agrilus viridis
  5. Stadt Köln: Grünastbruch bei Stadtbäumen
  6. Landwirtschaftskammer NRW: Auch Bäume und Sträucher brauchen Wasser (Pressemeldung 23.07.2009)
  7. Landwirtschaftskammer NRW: Gehölze vor Vertrocknung schützen (Pressemeldung 09.03.2018)

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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