Was ist Phytophthora?
Phytophthora ist eine Gattung von Krankheitserregern, deren Name aus dem Griechischen kommt und „Pflanzenzerstörer“ bedeutet. Obwohl sie oft zu den Pilzen gezählt werden, sind sie nach Angaben der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) keine echten Pilze. Sie haben kein Chitin in der Zellwand und bilden begeißelte Schwärmsporen, sogenannte Zoosporen, die sich aktiv im Wasser fortbewegen.
Daraus ergibt sich das wichtigste Merkmal der Krankheit: Phytophthora braucht Wasser. Die Erreger werden mit dem Bodenwasser, mit Fließgewässern und mit feuchter Erde verbreitet und infizieren zuerst feine Wurzeln und den Wurzelhals. Von dort wachsen sie in die Rinde am Stammfuß hinein und töten das Kambium ab, die Wachstumsschicht zwischen Rinde und Holz.
Welche Bäume sind betroffen?
Phytophthora-Arten befallen viele Gehölze; für Baumbesitzer in NRW sind vor allem Erle, Buche und Rosskastanie wichtig.
Erle: Das Erlensterben durch Phytophthora alni wurde 1993 erstmals in Südengland beschrieben und danach in vielen europäischen Ländern, darunter Deutschland, nachgewiesen. Der Erreger ist durch Kreuzung zweier Phytophthora-Arten entstanden. Er wurde in drei Unterarten gegliedert, die sich genetisch und in ihren Merkmalen unterscheiden. Betroffen sind vor allem Schwarz- und Grauerlen an Bach- und Flussufern.
Buche: An der Rotbuche spielen nach Angaben der NW-FVA vor allem Phytophthora cambivora und P. plurivora eine Rolle. Sie führten in Nordwestdeutschland örtlich bis regional zum Absterben einzelner Bäume und ganzer Baumgruppen.
Rosskastanie: Phytophthora-Arten sind als Erreger an der Rosskastanie seit Jahrzehnten bekannt. Ungewöhnlich heftige Erkrankungen wurden nach Angaben des Julius Kühn-Instituts um 1993 vor allem in Süddeutschland beobachtet.
Woran erkenne ich einen Befall?
Ein Phytophthora-Befall beginnt typischerweise unten am Baum, an Wurzeln und Stammfuß, und zeigt sich erst spät in der Krone.
| Merkmal | Wo am Baum | Wann im Jahr |
|---|---|---|
| Schwarze, teerartige oder rostige, oft nässende Flecken | Stammfuß, unterer Stamm, in Rindenrissen | ganzjährig, frisch vor allem in feuchten Phasen |
| Zungen- oder flammenförmige, orange bis rotbraune abgestorbene Rinde, nach oben auslaufend | unter der Rinde am Stammfuß, bei der Erle teils mehrere Meter hoch | nur nach vorsichtigem Öffnen sichtbar |
| Kleine, schüttere, gelbliche oder fahlgrüne Blätter | Krone | Vegetationszeit |
| Langsames Zurücksterben der Krone, Totäste | Krone | über Jahre |
| Auffällig starke Fruchtbildung mit kleinen Zapfen (Erle) | Krone | Sommer, Herbst |
| Faule, abgestorbene Wurzeln | Wurzelanläufe | nur bei Grabung sichtbar |
Bei der Erle wachsen die abgestorbenen Rindenbereiche in der aktivsten Zeit, im Sommer und frühen Herbst, nach einer tschechischen Untersuchung um etwa 3 bis 7 Millimeter am Tag. Bei der Rosskastanie spricht man von „Teerflecken“ und einer Kambiumnekrose, im Englischen „bleeding canker“.
Womit kann man Phytophthora verwechseln?
Phytophthora wird leicht mit anderen Ursachen dunkler, nässender Rindenflecken verwechselt, an der Rosskastanie vor allem mit der Pseudomonas-Rindenkrankheit. Nach Angaben des Pflanzenschutzdienstes NRW sind beide bei einem Befall nur am unteren Stamm äußerlich kaum zu unterscheiden. Ein Hinweis: Phytophthora zeigt nicht die für Pseudomonas typische Marmorierung im Holz.
An der Buche verursachen auch die Buchen-Vitalitätsschwäche nach Dürre, Rindenpilze und der Buchenprachtkäfer Schleimflussflecken, allerdings meist höher am Stamm und in der Krone, siehe Trockenstress bei der Buche. Bei der Erle können neben P. alni auch andere Phytophthora-Arten ähnliche Schäden verursachen. Eine sichere Diagnose gelingt nur im Labor.
Welche Folgen hat Phytophthora für Stand- und Bruchsicherheit?
Die größte Gefahr geht von den Folgepilzen aus, die in den abgestorbenen Stammfuß einwachsen. Nach Angaben der NW-FVA können Hallimasch oder der Brandkrustenpilz sekundär in die Phytophthora-Nekrosen hineinwachsen. Hallimasch führt dann häufig zu Wurzelfäule, Weißfäule im Holz, Bruchgefahr im Stammfußbereich und schließlich zum Absterben des Baumes.
Bei der Erle kommt ein weiteres Problem hinzu: Ihre Wurzeln befestigen Ufer. Werden Wurzeln und Wurzelhals großflächig zerstört, verliert der Baum seine Standfestigkeit und das Ufer seinen Halt. Die tschechischen Autoren beschreiben, dass junge Erlen oft innerhalb einer Vegetationsperiode absterben, ältere meist innerhalb weniger Jahre.
Welche Rolle spielen Staunässe und Baumschulware?
Nasse Böden und verschlepptes Pflanzgut sind die wichtigsten Wege, auf denen Phytophthora an neue Standorte gelangt. An der Buche traten bodenbürtige Erkrankungen nach Angaben der NW-FVA vor allem auf basenreichen, lehmigen, sehr frischen bis stau- oder wechselfeuchten Standorten auf. Regenreiche Phasen mit länger anhaltendem Wasserüberschuss verstärken den Befall. Als Beispiel nennt die NW-FVA den sehr nassen Sommer 2002. Auch milde Winter und Trockenphasen, die auf nasse Perioden folgen, begünstigen die Krankheit.
Bei der Erle gelten Fließgewässer als Hauptverbreitungsweg. Die Schwärmsporen werden mit dem Wasser weitergetragen, betroffen sind deshalb oft Ufererlen entlang ganzer Bach- und Flussabschnitte, besonders an zeitweise überfluteten Standorten. Aus Bayern ist nach der tschechischen Untersuchung außerdem bekannt, dass der Erreger mit infizierten Jungpflanzen aus Baumschulen in Wälder gelangt ist. Die Autoren halten auch Bewässerungswasser aus belasteten Teichen für einen möglichen Eintragsweg in Baumschulen.
Wie verbreitet ist Phytophthora in NRW?
Eine landesweite Übersicht zur Verbreitung von Phytophthora an Erle, Buche oder Rosskastanie in Nordrhein-Westfalen haben wir nicht gefunden. Der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW hat Phytophthora bei Untersuchungen an Rosskastanien als mögliche Ursache neben Pseudomonas genannt. Für Erle und Buche liegen veröffentlichte Daten vor allem aus anderen Bundesländern und Nachbarstaaten vor. Ob ein bestimmter Baum betroffen ist, lässt sich nur vor Ort und im Labor klären.
Was sollten Eigentümer tun?
Wenn Sie dunkle, nässende Flecken am Stammfuß sehen, lassen Sie den Baum fachlich ansehen. Bis dahin gilt:
- Nicht selbst die Rinde abschälen. Neue Wunden schaffen Eintrittspforten.
- Wasser im Blick behalten: Prüfen Sie, ob sich am Baum Wasser staut, etwa durch Verdichtung, Pflasterung, Dachabläufe oder Rasensprenger.
- Erde und Wasser nicht verschleppen: Verteilen Sie Erde aus dem Wurzelbereich eines kranken Baumes nicht im Garten, und reinigen Sie Spaten und Schuhe. Das ist ein Erfahrungswert, der sich aus dem Verbreitungsweg über Bodenwasser und Erde ergibt.
- Verdacht melden: Der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW berät zu Diagnose und Probenahme.
- Verkehrssicherheit prüfen lassen: Steht der Baum an Weg, Straße, Haus oder Ufer, ist eine Kontrolle der Bruchsicherheit wichtig. Mehr dazu unter Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.
Was tut ein Fachbetrieb?
Ein Fachbetrieb beurteilt, wie weit die Rinde am Stammfuß abgestorben ist, ob bereits Folgepilze vorhanden sind und wie stark Wurzeln und Stammfuß geschwächt sind. Bei Verdacht wird eine Gewebeprobe aus dem Übergang von krankem zu gesundem Gewebe für das Labor entnommen. Ist Holzfäule am Stammfuß zu vermuten, kann eine eingehende Untersuchung mit Schalltomographie oder Zugversuch folgen, siehe Baumgutachten. Je nach Ergebnis reichen engere Kontrollintervalle und eine Entlastung der Krone, oder der Baum muss gefällt werden. Ob dafür eine Genehmigung nötig ist, regelt die Baumschutzsatzung Ihrer Stadt.
Wie kann man vorbeugen?
Vorbeugen heißt vor allem, Wasser und Pflanzgut zu kontrollieren. Pflanzen Sie Erlen, Buchen und Rosskastanien nicht in staunasse Senken, und vermeiden Sie Bodenverdichtung im Wurzelbereich. Kaufen Sie Bäume bei Baumschulen, die gesundes, kontrolliertes Pflanzgut anbieten, und sehen Sie sich Stammfuß und Wurzelballen vor dem Pflanzen genau an. Dunkle Flecken am Wurzelhals oder faule Wurzeln sind ein Grund, die Pflanze zurückzugeben. Nach dem Ausfall eines Baumes durch Phytophthora raten wir aus Vorsicht davon ab, dieselbe Baumart ohne fachliche Klärung an dieselbe Stelle zu setzen. Das ist ein Erfahrungswert, keine amtliche Vorgabe.
Häufige Fragen
Ist Phytophthora ein Pilz?
Nein, nur pilzähnlich. Phytophthora-Arten haben kein Chitin in der Zellwand und bilden bewegliche Schwärmsporen, die im Wasser schwimmen. Deshalb breiten sie sich besonders gut in nassen Böden und entlang von Gewässern aus.
Kann man Phytophthora am Baum behandeln?
Eine Behandlung, die einen großen, befallenen Baum heilt, ist in den von uns geprüften Fachquellen nicht beschrieben. Möglich ist, Stress zu verringern, Staunässe zu vermeiden und die Bruchsicherheit regelmäßig kontrollieren zu lassen.
Wie schnell stirbt ein befallener Baum?
Das ist sehr unterschiedlich. Junge Erlen sterben oft innerhalb einer Saison, ältere innerhalb weniger Jahre. Bei großen Rosskastanien und Buchen zieht sich die Krankheit häufig über viele Jahre.
Warum ist die Stammfußfäule gefährlich?
In die abgestorbenen Bereiche wachsen häufig Hallimasch oder Brandkrustenpilz ein. Sie zersetzen Wurzeln und Holz am Stammfuß, sodass der Baum umstürzen oder am Stammfuß brechen kann.
Wie sicher kann man Phytophthora am Baum erkennen?
Nicht sicher mit bloßem Auge. Ähnliche Flecken verursachen auch Bakterien wie Pseudomonas an der Rosskastanie oder Rindenpilze an der Buche. Gewissheit bringt nur eine Laboruntersuchung von Gewebeproben.
Quellen
- Langer, G. J. (NW-FVA): Komplexe Erkrankungen bei älteren Rotbuchen. Forstpraxis 24/2019
- Černý, K.; Strnadová, V. (2010): Phytophthora Alder Decline: Disease Symptoms, Causal Agent and Its Distribution in the Czech Republic. Plant Protection Science 46(1)
- Julius Kühn-Institut, Dr. Sabine Werres: Rosskastaniensterben im öffentlichen Grün (Abdruck bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein)
- Landwirtschaftskammer NRW, Pflanzenschutzdienst: Rosskastaniensterben beunruhigt Baumschulen, Kommunen und Bürger (2013)
Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.
Passend dazu
- Pseudomonas an der Rosskastanie: Rindenblutungen erkennen und Bruchgefahr einschätzenBaumkrankheit
- Hallimasch am Baum: Wurzelfäule erkennen, Stubben als QuelleBaumkrankheit
- Brandkrustenpilz: unscheinbar am Stammfuß, gefährlich für die BruchsicherheitBaumkrankheit
- Trockenstress bei der Buche: Folgen der Dürrejahre erkennen und Bruchgefahr einschätzenBaumkrankheit