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Hallimasch am Baum: Wurzelfäule erkennen, Stubben als Quelle

Baumkrankheit · Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit · 7 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Hallimasch (Armillaria spp.) ist eine Gruppe von Pilzen, die Wurzeln und Stammfuß fast aller Laub- und Nadelgehölze befallen und eine Weißfäule verursachen. Die sichersten Zeichen sind weiße, fächerförmige Myzelmatten unter der Rinde am Stammfuß und schwarze, schnurartige Rhizomorphe; die honiggelben Fruchtkörper erscheinen im Herbst, meist September bis November. Der Pilz überdauert in Stubben und totem Holz im Boden und breitet sich von dort über Rhizomorphe und Wurzelkontakt aus. Befallene Bäume können umstürzen oder absterben; in Gärten sollten sie samt Wurzelstock entfernt werden.

Was ist Hallimasch?

Hallimasch ist der Sammelname für mehrere Pilzarten der Gattung Armillaria, die Wurzeln und Stammfuß von Bäumen und Sträuchern befallen und zu den wichtigsten Wurzelfäulen weltweit gehören. Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL ordnet den Hallimasch heute mehreren Arten zu. Diese Arten unterscheiden sich in ihrer Aggressivität deutlich; die britische Forstbehörde beschrieb 1991 fünf europäische Arten, neuere Einteilungen können davon abweichen. Nach Angaben der WSL befällt der Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea) vor allem Laubholz, der Dunkle Hallimasch (Armillaria ostoyae) vor allem Nadelholz.

Hallimasch kann praktisch alle holzigen Baum- und Straucharten befallen, in Wäldern ebenso wie in Parks, Gärten und Obstanlagen. Er lebt sowohl als Parasit an lebenden Bäumen als auch als Zersetzer von totem Holz. Das Pflanzenschutzamt Berlin beschreibt ihn als häufig vorkommenden Pilz, der vor allem dann parasitisch wird, wenn Bäume geschwächt sind, etwa durch Dürre, Pflanzschock oder Staunässe.

Wie breitet sich Hallimasch aus?

Hallimasch breitet sich vor allem unterirdisch aus: über Rhizomorphe und über direkten Kontakt zwischen Wurzeln. Rhizomorphe sind dunkle bis schwarze, schnurartige Pilzstränge mit einem Durchmesser von etwa 1 bis 2 Millimetern. Sie wachsen durch den Boden, legen dabei weite Strecken zurück und dringen in Wurzeln ein.

Die wichtigste Infektionsquelle sind Stubben und totes Holz im Boden. Dort überdauert der Pilz nach Angaben des Pflanzenschutzamts Berlin und der WSL und erreicht von dort aus benachbarte Bäume. Die britische Forstbehörde beschreibt denselben Weg: von infizierten Stubben und Bäumen über Rhizomorphe und Wurzelkontakt zu gesunden Bäumen.

Woran erkennt man Hallimasch?

Am sichersten erkennt man Hallimasch an weißen, fächerförmigen Myzelmatten zwischen Rinde und Holz am Stammfuß und an schwarzen Rhizomorphen. Die Fruchtkörper sind auffällig, erscheinen aber nur im Herbst. Die Tabelle fasst die Angaben des Pflanzenschutzamts Berlin, der WSL und der britischen Forstbehörde zusammen.

MerkmalWo am BaumWann im Jahr
Weiße bis cremefarbene, fächerartig ausstrahlende Myzelmatten (Myzelfächer)unter der Rinde von Wurzeln und Stammfußganzjährig, sichtbar nach Abheben der Rinde
Schwarze, schnurartige Rhizomorphe, 1–2 mm dickim Boden, unter der Rinde, besonders nach dem Absterbenganzjährig
Honiggelbe Hüte, 3–10 cm, fein schuppig (abwischbar), weiße Lamellen, deutliche Ringzone am Stiel, oft in BüschelnStammfuß, Stamm, Stubben, Boden über WurzelnSeptember bis November
Vermindertes Triebwachstum, vergilbte Blätter oder Nadeln, schlechter KronenzustandKroneVegetationszeit, oft erst bei fortgeschrittenem Befall
Absterben der Krone von außen nach innenKroneüber ein bis mehrere Jahre
HarzflussStammfuß von Nadelbäumenganzjährig

Die WSL betont, dass eine Infektion oberirdisch lange verborgen bleibt. Erst bei fortgeschrittenem Befall zeigen sich deutliche Symptome. Die Fruchtkörper sind nach britischen Angaben zu variabel, um die einzelnen Hallimasch-Arten zu unterscheiden.

Womit kann man Hallimasch verwechseln?

Die Fruchtkörper werden vor allem mit dem Sparrigen Schüppling (Pholiota squarrosa) verwechselt. Nach Berliner Angaben hat der Sparrige Schüppling Schuppen, die sich nicht abwischen lassen, braunes statt cremeweißes Sporenpulver und keine deutliche Ringzone am Stiel.

Die Kronensymptome sind dagegen unspezifisch. Laut WSL können eine schlechte Krone und das Absterben eines Baumes auch andere Ursachen haben, bei Laubholz etwa die Schleimflusskrankheit der Buche oder Phytophthora-Erkrankungen, bei Nadelholz Borkenkäfer oder Wurzelschwamm. Myzelmatten und Rhizomorphe unter der Rinde gelten als zuverlässigere Diagnosemerkmale.

Welche Folgen hat Hallimasch für Stand- und Bruchsicherheit?

Hallimasch kann einen Baum zum Absterben bringen und seine Standsicherheit durch Wurzelfäule mindern; ein noch lebender Baum kann deshalb umgeworfen werden. Der Pilz verursacht eine Weißfäule, vorwiegend im Wurzel- und unteren Stammbereich. Hat er das Kambium rund um den Stamm abgetötet, stirbt der Baum ab, beschreibt die WSL.

Bei älteren Fichten kann Hallimasch nach WSL-Angaben eine Kernfäule in Wurzeln und Stamm verursachen. Solche Bäume leben oft jahrelang ohne äußere Symptome, sind aber in ihrer Stabilität beeinträchtigt.

Hallimasch ist außerdem ein häufiger Folgepilz. Bei Eschen mit Eschentriebsterben wächst er oft in abgestorbene Stellen am Stammfuß ein und beschleunigt so den Verlust der Standsicherheit, berichtet die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt. Zu den Pflichten von Baumbesitzern siehe Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.

Was sollten Eigentümer tun?

Wer Hallimasch an einem Baum oder Stubben im Garten findet, sollte den Baum prüfen lassen und Infektionsquellen beseitigen. Nicht jeder Hallimasch-Fund bedeutet, dass ein lebender Baum befallen ist; wächst er auf einem alten Stubben, ist vor allem dieser das Problem.

  1. Fundort dokumentieren: Wächst der Pilz am lebenden Stamm, am Stammfuß, auf einem Stubben oder im Rasen über Wurzeln?
  2. Fotos machen: Hut oben und unten, Stiel mit Ring, Stammfuß, Krone.
  3. Baum prüfen lassen, wenn er an Wegen, Häusern oder Spielflächen steht oder die Krone nachlässt.
  4. Stubben und Wurzelreste entfernen lassen, wenn Hallimasch darin sitzt. Mehr dazu unter Wurzelstock entfernen.
  5. Benachbarte Gehölze stärken: bei Trockenheit wässern, Staunässe vermeiden, ausgewogen versorgen.

Die Fruchtkörper sind nur die Fortpflanzungsorgane. Der Pilz selbst lebt als Geflecht feiner Fäden in Wurzeln, Stammfuß, Stubben und Holzresten im Boden. Pilzbüschel abzumähen oder abzusammeln ändert am Befall deshalb nichts.

Was tut ein Fachbetrieb?

Ein Fachbetrieb klärt, ob der Baum selbst befallen ist, wie weit die Fäule reicht und ob der Baum noch sicher steht. Dazu gehört oft, die Rinde am Stammfuß an einer kleinen Stelle anzuheben, um nach Myzelmatten zu sehen.

BefundÜbliche Maßnahme
Hallimasch nur auf Stubben oder TotholzStubben fräsen oder roden, Wurzelreste entfernen
Befall am lebenden Baum, Krone noch vital, kein Verkehrsrisikobeobachten, Vitalität fördern, Kontrollintervall verkürzen
Befall am Stammfuß eines Baumes an Wegen oder Gebäudeneingehende Untersuchung der Standsicherheit
Absterbender oder nicht mehr standsicherer BaumFällung, möglichst mit Entfernung des Wurzelstocks

Für Parks und Gärten empfiehlt die WSL, befallene Bäume oder Sträucher frühzeitig und wenn möglich mit dem ganzen Wurzelstock zu entfernen. Die britische Forstbehörde nennt als Bekämpfung das Entfernen von Holz aus dem Boden und das Abgrenzen befallener Bereiche mit physischen Sperren gegen Rhizomorphe im Boden. Steht der Baum außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen, ist eine Fällung zur Gefahrenabwehr auch zwischen 1. März und 30. September zulässig, wenn sie der Verkehrssicherheit dient und im öffentlichen Interesse nicht aufgeschoben werden kann (§ 39 Abs. 5 BNatSchG); für Bäume im Hausgarten gilt diese Schutzzeit ohnehin nicht, der Artenschutz nach § 44 BNatSchG aber immer, siehe Fällzeiten und Vogelschutz. Ob eine Genehmigung nach Baumschutzsatzung nötig ist, hängt von der Stadt ab, siehe Ortsübersicht.

Wie verbreitet ist Hallimasch in NRW?

Hallimasch ist in Mitteleuropa allgegenwärtig; eine eigene Statistik für NRW gibt es nach unserer Recherche nicht. Laut WSL muss beim Absterben eines Baumes oder Strauches immer mit Hallimaschbefall gerechnet werden. Bundesweit spielt er unter anderem als Folgepilz bei Eschen mit Eschentriebsterben eine Rolle; diese Krankheit ist auch in NRW seit Jahren verbreitet.

Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugen heißt, Infektionsquellen zu beseitigen und die Bäume vital zu halten. Nach WSL-Angaben kommen nur vorbeugende Maßnahmen in Frage: standortgerechte Baumarten, Vielfalt statt Monokultur, keine Wurzelverletzungen.

  • Stubben und große Wurzelreste nach Fällungen entfernen, vor allem wenn neu gepflanzt werden soll.
  • Holzreste im Boden möglichst gering halten, etwa vergrabene Äste oder Bauholz.
  • Vor einer Nachpflanzung an der Stelle eines befallenen Baumes Wurzelreste gründlich entfernen; die britische Forstbehörde nennt als Alternative, weniger anfällige Arten zu pflanzen.
  • Wurzeln bei Bauarbeiten schützen und Staunässe vermeiden.
  • Gehölze in Trockenzeiten wässern.

Häufige Fragen

Ist Hallimasch an meinem Baum gefährlich?

Ja, wenn er den Baum parasitisch befällt. Hallimasch zersetzt Wurzeln und Stammfuß, kann den Baum zum Absterben bringen und seine Standsicherheit mindern. Wächst er nur auf einem alten Stubben daneben, ist der Stubben eine Infektionsquelle für benachbarte Gehölze.

Soll ich den Stubben nach einer Fällung entfernen?

Bei Hallimaschbefall ja. Der Pilz lebt in Stubben und Wurzelresten weiter und kann von dort über Rhizomorphe benachbarte Bäume erreichen. Das Pflanzenschutzamt Berlin empfiehlt, die Stubben befallener Bäume zu roden.

Was sind Rhizomorphe?

Rhizomorphe sind schwarze, schnur- oder schnürsenkelartige Pilzstränge von etwa 1 bis 2 Millimetern Durchmesser. Mit ihnen wächst der Hallimasch durch den Boden zu neuen Wurzeln und unter der Rinde entlang.

Kann man Hallimasch bekämpfen?

Im Baum selbst nicht, weil der Pilz dort nicht erreichbar ist. Wirksam ist nur, Infektionsquellen wie Stubben und Wurzelreste zu entfernen und die übrigen Gehölze vital zu halten.

Ist Hallimasch essbar?

Roh nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung führt den Hallimasch als Pilz, der roh verzehrt zu Magen-Darm-Beschwerden führt, und rät, ihn vor dem Essen abzubrühen und das Brühwasser wegzuschütten. Auch gekocht ist er nicht für jeden verträglich. Ob ein Pilz am Baum überhaupt Hallimasch ist, kann nur eine Pilzsachverständige oder ein Pilzsachverständiger sicher sagen.

Womit kann man Hallimasch verwechseln?

Die Fruchtkörper ähneln dem Sparrigen Schüppling. Dieser hat nicht abwischbare Schuppen auf dem Hut, braunes Sporenpulver und keine deutliche Ringzone am Stiel.

Quellen

  1. Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Honiggelber Hallimasch – Armillaria mellea (Februar 2022)
  2. WSL Waldschutz Schweiz, Diagnose online: Hallimasch-Wurzelfäule
  3. Greig, Gregory, Strouts: Honey Fungus. Forestry Commission Bulletin 100 (1991)
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung: Risiko Pilze – Einschätzung und Hinweise (Verbraucherinfo, Eintrag Hallimasch)
  5. WSL Totholz: Holzfäulen – Braunfäule, Weissfäule und Moderfäule
  6. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
  7. Langer, G.: Eschentriebsterben – Sachstand und Handlungsempfehlungen. LW Hessenbauer 2/2026 (NW-FVA)

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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