Was ist das Eschentriebsterben?
Das Eschentriebsterben ist eine Pilzkrankheit der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior), die Triebe, Äste und ganze Kronen absterben lässt und in Deutschland seit gut zwei Jahrzehnten zu massiven Ausfällen führt. Verursacher ist der Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus, auf Deutsch Falsches Weißes Stängelbecherchen. Seine Nebenfruchtform wurde früher als Chalara fraxinea beschrieben.
Der Pilz stammt aus Ostasien. Dort lebt er in Blättern der Mandschurischen und der Chinesischen Esche, ohne nennenswerten Schaden anzurichten. Nach Europa wurde er vermutlich unabsichtlich eingeschleppt; das erste dokumentierte Auftreten stammt aus dem Jahr 1992. In Deutschland wird die Krankheit seit Anfang der 2000er-Jahre beobachtet. Die NW-FVA stellt fest, dass inzwischen Eschen an allen Standorten und in allen Regionen Deutschlands betroffen sind.
Die Infektion beginnt im Laub. Der Pilz bildet seine kleinen, weißlichen Fruchtkörper auf Eschenblattspindeln im Falllaub. Die Sporen infizieren Blätter und Blattstiele, von dort wächst der Pilz in die Triebe und tötet sie ab. Weil das jedes Jahr neu geschieht, stirbt die Krone nach und nach zurück.
Woran erkennt man Eschentriebsterben?
Erkennbar ist die Krankheit an welkenden Blättern, abgestorbenen Trieben und einer zunehmend lichten, buschigen Krone. Die folgende Tabelle beruht auf den Beschreibungen der NW-FVA und des Pflanzenschutzamts Berlin.
| Merkmal | Wo am Baum | Wann im Jahr |
|---|---|---|
| Welkende, braune Blätter, vorzeitiger Blattfall | Krone, Triebspitzen | Frühjahr bis Sommer |
| Verbraunte, abgestorbene Triebe (hellbraun, violettbraun oder kupferrot) | junge Triebe und Äste | ab Austrieb, gut sichtbar im Sommer |
| Längliche, schildförmige Rindennekrosen ohne Schleimfluss, oft um eine tote Knospe oder einen Seitenzweig | Triebe, Äste, junger Stamm | ganzjährig |
| Buschige Kronenteile durch Ersatztriebe (Verbuschung) | Krone | mehrjährig |
| Lichte, schüttere Krone mit Totholz | ganze Krone | in Laubzeit gut erkennbar |
| Stammfußnekrosen: abgestorbene, eingesunkene oder verfärbte Rinde | Stammfuß, Wurzelanläufe | ganzjährig |
| Fruchtkörper von Folgepilzen, etwa Hallimasch | Stammfuß | Hallimasch: September bis November |
Vom Boden aus lassen sich Kronenschäden gut im belaubten Zustand beurteilen. Stammfußnekrosen sind dagegen leicht zu übersehen, vor allem wenn Bewuchs oder Laub den Stammfuß verdeckt.
Womit kann man es verwechseln?
Welke Kronen und abgestorbene Triebe an Eschen können auch andere Ursachen haben, etwa Trockenheit, Wurzelschäden durch Bauarbeiten oder Staunässe. Typisch für das Eschentriebsterben ist das Nebeneinander von welken Blättern, schildförmigen Rindennekrosen an Trieben und einer Krone, die über mehrere Jahre von außen her zurückstirbt.
Die NW-FVA weist außerdem darauf hin, dass geschwächte Eschen von sekundären Schaderregern befallen werden, etwa Eschenbastkäfern sowie Rinden- und Holzfäulepilzen. Im Projekt FraxForFuture wurden an Eschen in Deutschland über 250 Pilzarten nachgewiesen. Am häufigsten fanden die Forschenden in Stammfußnekrosen Diplodia fraxini, den Erreger selbst und Hallimasch. Welche Ursache im Einzelfall überwiegt, lässt sich nur am Baum klären.
Welche Folgen hat es für Stand- und Bruchsicherheit?
Das größte Sicherheitsrisiko sind nicht die toten Zweige in der Krone, sondern Stammfußnekrosen, die die Standsicherheit stark mindern. Der Erreger besiedelt häufig direkt den Stammfuß und tötet dort Rinde ab. In diese Bereiche dringen Fäulepilze ein, oft Hallimasch-Arten (Armillaria spp.), und zersetzen das Holz. Die NW-FVA bezeichnet Stammfußnekrosen als einen Hauptfaktor für das Absterben der Eschen.
Dazu kommt das Totholz in der Krone. Abgestorbene Äste können herabfallen, besonders über Wegen, Straßen und Spielplätzen. Wer eine Esche auf dem Grundstück hat, ist für deren Verkehrssicherheit verantwortlich, siehe Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.
Was sollten Eigentümer tun?
Eigentümer sollten erkrankte Eschen regelmäßig ansehen, Totholz über genutzten Flächen entfernen lassen und den Stammfuß gezielt kontrollieren lassen. Eine kranke Esche ist nicht automatisch ein Fall für die Säge.
- Krone beobachten: Wie viel Laub fehlt? Nimmt das Totholz von Jahr zu Jahr zu?
- Stammfuß freilegen und ansehen: Gibt es eingesunkene, verfärbte Rindenstellen, Risse oder Pilzfruchtkörper?
- Falllaub entfernen: Das Pflanzenschutzamt Berlin nennt das Beseitigen des Laubs als Möglichkeit, den Infektionsdruck zu senken.
- Fotos machen, möglichst jedes Jahr zur gleichen Zeit aus derselben Position. So lässt sich der Verlauf belegen.
- Fachkraft hinzuziehen, wenn Stammfußnekrosen oder Pilze am Stammfuß sichtbar sind oder die Esche über Verkehrsflächen ragt.
Vor einer Fällung ist zu klären, ob eine Baumschutzsatzung gilt. Die Regeln sind je Stadt verschieden, siehe Ortsübersicht und Baum fällen: Genehmigung.
Was tut ein Fachbetrieb?
Ein Fachbetrieb beurteilt Krone und Stammfuß, entfernt gefährliches Totholz und empfiehlt bei Bedarf eine eingehende Untersuchung oder die Fällung. Für Waldbestände wurde im Projekt FraxForFuture ein einheitlicher Anspracheschlüssel entwickelt, mit dem sich die verschiedenen Schäden an Eschen bewerten lassen. Im Garten und an der Straße gelten die Grundsätze der Regelkontrolle nach den FLL-Baumkontrollrichtlinien.
| Befund | Übliche Maßnahme |
|---|---|
| Geringe Kronenschäden, Stammfuß intakt | Baum erhalten, regelmäßig kontrollieren |
| Totholz über Wegen, Straßen, Spielflächen | Totholz entfernen (Kronenpflege) |
| Stammfußnekrose, Fäule oder Hallimasch am Stammfuß | eingehende Untersuchung der Standsicherheit, oft Fällung |
| Abgestorbene oder sehr stark geschädigte Esche an Verkehrsflächen | Fällung |
Die NW-FVA rät ausdrücklich, selbst Eschen mit fortgeschrittenen Kronenschäden zu erhalten, wo immer es möglich ist, und stark geschädigte nur zu entnehmen, wenn sie die Arbeits- oder Verkehrssicherheit gefährden. Der Grund: Jede überlebende Esche kann Erbgut tragen, das mit dem Pilz besser zurechtkommt.
Bei der Arbeit an Eschen mit Stammfußfäule ist Vorsicht geboten: Ein geschwächter Stammfuß kann beim Besteigen oder bei der Fällung anders reagieren als erwartet. Das ist ein Grund, solche Bäume von erfahrenen Fachleuten bearbeiten zu lassen. Zur Fällzeit siehe Fällzeiten und Vogelschutz.
Gibt es resistente Eschen?
Vollständig resistente Eschen sind nicht bekannt, doch es gibt wenige, schwach anfällige Bäume, auf denen die Hoffnung ruht. Im bundesweiten Verbundprojekt FraxForFuture (2020 bis 2024) wurden nach Angaben der NW-FVA Samenplantagen mit weniger anfälligen Eschen-Nachkommenschaften angelegt und Verfahren zur Vermehrung toleranterer Bäume entwickelt. Zusätzlich wurden biologische Ansätze untersucht: Mikroorganismen aus dem Mikrobiom vitaler Eschen, abgeschwächte Erregerstämme durch Viren und RNA-Interferenz. Das Folgeprojekt FraxForFuture2 soll tolerante Eschen wieder in die Fläche bringen.
Für Gartenbesitzer heißt das: Eine Esche, die seit Jahren trotz Krankheit vital bleibt, ist wertvoll. Sie sollte, solange sie sicher ist, stehen bleiben.
Wie ist die Lage in NRW?
Nordrhein-Westfalen gehörte schon 2009 zu den Bundesländern, aus denen die NW-FVA das Eschentriebsterben meldete. Nach heutigem Stand sind Eschen in ganz Deutschland betroffen. Die FraxForFuture-Ergebnisse zeigen, dass Eschen auf nassen Standorten stärker leiden als auf trockeneren Kalkstandorten.
Landesweite Zahlen zum Anteil geschädigter Eschen in NRW liegen in den von uns geprüften Quellen nicht vor. Im Stadtgebiet tritt die Krankheit nach Berliner Beobachtungen vor allem in waldähnlichen Strukturen auf; das lässt sich aber nicht ohne Weiteres auf NRW übertragen.
Wie kann man vorbeugen?
Gegen die Infektion mit dem Eschentriebsterben können Eigentümer wenig tun, denn die Sporen fliegen jedes Jahr aus der Laubstreu der Umgebung an. Sinnvoll sind Maßnahmen, die den Infektionsdruck senken und den Baum vital halten: Falllaub im Herbst entfernen, Wurzel- und Stammfußverletzungen vermeiden, bei Trockenheit wässern und keine neuen Eschen auf ohnehin belastete Standorte pflanzen.
Wer neu pflanzt, sollte die Baumart mit einem Fachbetrieb besprechen. Wer dennoch Eschen pflanzt, sollte die Jungpflanzen vor und nach dem Pflanzen gründlich auf die typischen Symptome kontrollieren; das empfiehlt die NW-FVA schon seit 2009, weil sich die Krankheit auch über Baumschulware verbreiten kann.
Häufige Fragen
Muss ich eine Esche mit Eschentriebsterben fällen?
Nicht automatisch. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt empfiehlt, vitale Eschen zu erhalten und stark geschädigte nur zu entnehmen, wenn sie Arbeits- oder Verkehrssicherheit gefährden. Entscheidend ist eine Kontrolle von Krone und Stammfuß durch eine Fachkraft.
Kann man Eschentriebsterben behandeln?
Direkte Gegenmaßnahmen gibt es nicht. In Forschungsprojekten werden biologische Ansätze wie Mikrobiom-Optimierung oder Viren gegen den Erreger erprobt, für Gärten und Straßenbäume sind sie aber noch kein Verfahren. Das Entfernen des Falllaubs kann den Infektionsdruck senken.
Warum ist der Stammfuß so wichtig?
Der Erreger verursacht häufig abgestorbene Rindenbereiche am Stammfuß. In diese wachsen Fäulepilze wie der Hallimasch ein und zersetzen das Holz. Dadurch kann eine Esche umstürzen, auch wenn die Krone noch einigermaßen belaubt ist.
Gibt es resistente Eschen?
Vollständig resistente Eschen sind nicht bekannt, aber es gibt wenige, schwach anfällige Bäume. Im Projekt FraxForFuture wurden Samenplantagen mit weniger anfälligen Nachkommen angelegt, um tolerantere Eschen gezielt zu vermehren.
Sind andere Eschenarten auch betroffen?
Die heimische Gemeine Esche ist besonders anfällig. Das Pflanzenschutzamt Berlin weist auf deutliche Unterschiede in der Anfälligkeit verschiedener Eschenarten hin; in Ostasien lebt der Pilz in dortigen Eschenarten ohne größeren Schaden.
Quellen
- Langer, G.: Eschen – auch mal höhere Durchmesser stehen lassen. Eschentriebsterben – Sachstand und Handlungsempfehlungen. LW Hessenbauer 2/2026 (NW-FVA)
- Langer, G.: Forschungsergebnisse Demonstrationsprojekt FraxForFuture zum Eschentriebsterben – Assoziierte Pilze und Handlungsempfehlungen (NW-FVA, 2024)
- NW-FVA, 3. Waldschutz-Info 2009: Eschentriebsterben II
- Pflanzenschutzamt Berlin: Eschentriebsterben
- Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Honiggelber Hallimasch (Februar 2022)
Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.
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