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Pilzbefall am Baum: Fruchtkörper erkennen und richtig einordnen

Baumkrankheit · Aktualisiert am · 7 Min. Lesezeit · 7 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Ein Pilzfruchtkörper am Baum zeigt, dass ein Pilz bereits im Holz arbeitet; das Abschlagen des Fruchtkörpers ändert daran nichts. Holzzersetzende Pilze verursachen Weißfäule, Braunfäule oder Moderfäule und mindern je nach Art und Sitz die Stand- oder Bruchsicherheit. Als besonders gefährlich gelten Pilze am Stammfuß und an den Wurzeln, vor allem Brandkrustenpilz, Riesenporling und Lackporlinge, weil die Krone dort oft noch lange gesund aussieht. Pilze an Stammfuß oder Starkästen von Bäumen an Wegen, Häusern oder Spielflächen sollten Sie zeitnah von einer Fachkraft beurteilen lassen.

Was bedeutet ein Pilz am Baum?

Ein Pilzfruchtkörper am Stamm, an Ästen oder am Stammfuß zeigt, dass ein Pilz im Holz des Baumes lebt und es zersetzt. Was man sieht, ist nur der kleinste Teil: Der eigentliche Pilz besteht aus einem Geflecht feiner Fäden (Myzel), das im Holz von Wurzeln, Stamm oder Ästen wächst. Der Fruchtkörper dient lediglich dazu, Sporen zu verbreiten. Die britische Forstbehörde beschreibt das am Beispiel des Hallimaschs: Der Pilz existiert überwiegend als Masse feiner Fäden im Inneren von Wurzeln und Stammfuß.

Das hat zwei Folgen. Erstens ist der Fruchtkörper ein Warnzeichen, oft ein spätes: Beim Schuppigen Porling erscheinen die Fruchtkörper nach Berliner Angaben erst, wenn die Fäule schon fortgeschritten ist, beim Flachen Lackporling mitunter erst nach dem Umsturz. Zweitens sagt die Größe des Fruchtkörpers wenig über das Ausmaß der Fäule im Holz.

Nicht jeder Pilz am Baum ist gefährlich. Viele Arten leben nur an totem Holz, etwa an abgestorbenen Ästen. Entscheidend sind die Pilzart, die Stelle am Baum und die Frage, ob darunter Menschen, Fahrzeuge oder Gebäude gefährdet sind.

Welche Fäulearten gibt es?

Holzzersetzende Pilze verursachen drei Grundformen der Fäule: Braunfäule, Weißfäule und Moderfäule. Sie unterscheiden sich darin, welche Holzbestandteile der Pilz zuerst abbaut, und damit auch darin, wie das Holz bricht. Die Beschreibungen stammen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL.

FäuleartWas abgebaut wirdAussehen des HolzesFolge für die FestigkeitBeispiele
Braunfäulevor allem Zellulose und Hemizellulosebraun, Würfelbruch, im Endstadium zu Pulver zerreibbarZug- und Biegefestigkeit drastisch gemindertSchwefelporling
WeißfäuleLignin, Zellulose und Hemizellulosehell, ausgebleicht, faserigje nach Form spröde oder zäh (siehe unten)Lackporlinge, Hallimasch, Zunderschwamm, Schuppiger Porling
Moderfäulevor allem Zellulose, wenig Lignindunkel, schmierig, fein würfeligHolz verliert Festigkeit, oft unauffälligBrandkrustenpilz, Riesenporling, Leberpilz

Bei der Weißfäule unterscheidet die WSL zwei Formen. Bei der simultanen Weißfäule werden alle Holzbestandteile etwa gleichzeitig abgebaut; das Holz wird zunächst spröde, was die Gefahr eines plötzlichen Sprödbruchs erhöht. Als Erreger nennt das Pflanzenschutzamt Berlin etwa den Zottigen Schillerporling und den Schuppigen Porling, für Massaria an Platanen ebenfalls eine simultane Weißfäule. Bei der selektiven Weißfäule wird zuerst das Lignin abgebaut; das Holz wird hell, faserig-weich und im Endstadium schwammig, das Holzgefüge bleibt aber länger erhalten.

Die Zuordnung ist nicht immer eindeutig. Manche Pilze verursachen je nach Baumart und Stadium mehrere Fäuleformen, und an einem Baum können verschiedene Pilze gleichzeitig arbeiten, betont die WSL. Für die Praxis gilt: Braunfäule und simultane Weißfäule führen eher zu sprödem Bruch. Auch beim Moderfäule-Erreger Brandkrustenpilz beschreibt das Pflanzenschutzamt Berlin ein sprödes Bruchbild.

Wo am Baum sitzt der Pilz?

Die Stelle, an der ein Pilz sitzt, sagt viel darüber, welche Gefahr droht. Pilze im Wurzelbereich und am Stammfuß gefährden die Standsicherheit, also ob der Baum umkippt. Pilze am Stamm und in der Krone gefährden die Bruchsicherheit, also ob Stamm oder Äste brechen.

BereichTypische PilzeHauptgefahr
Wurzeln, WurzelanläufeRiesenporling, Hallimasch, LackporlingeUmsturz, oft bei noch grüner Krone
StammfußBrandkrustenpilz, Lackporlinge, HallimaschBruch am Stammfuß oder Umsturz
StammSchwefelporling, Zunderschwamm, Schuppiger PorlingStammbruch
Krone, StarkästeSchwefelporling, Zottiger Schillerporling, Massaria an PlatanenAstbruch

Das Pflanzenschutzamt Berlin weist darauf hin, dass manche Pilze an mehreren Stellen auftreten. Der Schuppige Porling etwa sitzt meist hoch am Stamm oder in der Krone, kann Bäume aber auch über den Stammfuß infizieren.

Welche Pilze sind besonders gefährlich?

Als besonders gefährlich für die Verkehrssicherheit gelten Pilze, die versteckt am Stammfuß oder an den Wurzeln arbeiten und die Krone lange gesund aussehen lassen. Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) zählt den Brandkrustenpilz, die Lackporlinge und den Riesenporling zu den gefährlichsten holzabbauenden Pilzarten. Die folgende Übersicht nennt die wichtigsten Arten, zu denen es eigene Seiten gibt.

Pilz / KrankheitWissenschaftlicher NameTypische WirteSitzFäuleMehr dazu
BrandkrustenpilzKretzschmaria deustaLinde, Buche, Rosskastanie, AhornStammfußModerfäuleBrandkrustenpilz
RiesenporlingMeripilus giganteusvor allem BucheWurzeln, StammfußWeiß- und ModerfäuleRiesenporling
LackporlingeGanoderma spp.Buche, Linde, Eiche, Ahorn u. a.Wurzeln, Stammfuß, StammWeißfäuleLackporling
HallimaschArmillaria spp.fast alle GehölzeWurzeln, StammfußWeißfäuleHallimasch
SchwefelporlingLaetiporus sulphureusEiche, Robinie, Kirsche, WeideStamm, StarkästeBraunfäuleSchwefelporling
MassariaSplanchnonema plataniPlataneAstoberseitenrasche HolzzersetzungMassaria
RußrindenkrankheitCryptostroma corticaleBergahornStamm, RindeFolgefäule (Weißfäule)Rußrindenkrankheit
EschentriebsterbenHymenoscyphus fraxineusGemeine EscheTriebe, StammfußFolgefäulen, oft HallimaschEschentriebsterben

Die Rußrindenkrankheit ist zusätzlich eine Gesundheitsgefahr für Menschen, weil ihre Sporen beim Einatmen die Lunge reizen können. Bei ihr gilt besondere Vorsicht beim Fällen.

Warum nützt es nichts, Fruchtkörper abzuschlagen?

Das Abschlagen eines Fruchtkörpers entfernt nur das Fortpflanzungsorgan, nicht den Pilz im Holz. Das Myzel im Inneren zersetzt das Holz unverändert weiter. Der Baum wird dadurch nicht sicherer.

Es gibt zwei weitere Nachteile. Ohne Fruchtkörper kann eine Fachkraft die Pilzart schwerer bestimmen, und die Art entscheidet maßgeblich über die Bewertung. Außerdem können beim Abschlagen neue Wunden an der Rinde entstehen. Wer einen Pilz entfernt, verliert also Information, ohne Sicherheit zu gewinnen.

Was sollten Eigentümer tun?

Eigentümer sollten einen Pilzfund dokumentieren, den Gefahrenbereich einschätzen und den Baum bei Bedarf von einer Fachkraft beurteilen lassen. Als Baumbesitzer sind Sie für die Verkehrssicherheit Ihres Baumes verantwortlich, siehe Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.

Was Sie fotografieren sollten

Gute Fotos helfen einer Fachkraft, die Dringlichkeit vorab einzuschätzen. Ersetzen können sie eine Besichtigung nicht.

  • den ganzen Baum mit Umgebung (Haus, Weg, Straße, Spielplatz)
  • den Fruchtkörper von oben, von unten und von der Seite, mit Zollstock oder Hand als Größenvergleich
  • die Stelle am Baum, an der der Pilz sitzt, aus etwas Abstand
  • den Stammfuß einmal rundherum, Laub und Bewuchs vorher zur Seite schieben
  • Risse, Höhlungen, abgestorbene Rinde, ausrieselndes Holzmehl
  • die Krone, möglichst im belaubten Zustand
  • Datum notieren; bei längerer Beobachtung jedes Jahr aus derselben Position

Wann Sie sofort einen Fachmann rufen sollten

Bei folgenden Anzeichen sollten Sie nicht abwarten, sondern den Bereich meiden und kurzfristig eine Fachkraft hinzuziehen:

  • Fruchtkörper am Stammfuß oder an den Wurzelanläufen eines großen Baumes an Wegen, Häusern, Straßen oder Spielflächen
  • frische Risse im Stamm oder Boden, angehobener Wurzelteller, neue oder zunehmende Schieflage
  • Pilz an einem Starkast über einer genutzten Fläche
  • Holzmehl, das aus Rissen rieselt, oder hohl klingender, aufplatzender Stamm
  • schwarzer, stäubender Belag unter abgeplatzter Rinde eines Ahorns (Verdacht auf Rußrindenkrankheit; nicht selbst bearbeiten)
  • nach einem Sturm abgebrochene Äste mit Fäulespuren an der Bruchstelle; siehe auch Sturmschaden am Baum

Diese Liste ist eine Faustregel aus der Praxis, keine abschließende Aufzählung. Im Zweifel lieber einmal mehr fragen.

Was tut ein Fachbetrieb?

Ein Fachbetrieb bestimmt den Pilz, bewertet Sitz und Fortschritt der Fäule und schlägt eine Maßnahme vor: weiter beobachten, Krone entlasten, sichern oder fällen. Grundlage sind die Baumkontrollrichtlinien der FLL, die seit 2004 als Standardwerk für Regelkontrollen gelten und 2020 überarbeitet wurden. Sie legen unter anderem Umfang, Zeitpunkt und Häufigkeit von Kontrollen fest. Bleiben nach der Sichtkontrolle Zweifel an der Verkehrssicherheit, folgt eine eingehende Untersuchung nach den FLL-Baumuntersuchungsrichtlinien.

SchrittInhalt
BestimmungPilzart ansprechen, Verwechslungen ausschließen
SichtkontrolleSitz des Pilzes, Stammfuß, Risse, Schiefstand, Krone, Umfeld
Eingehende Untersuchungtechnische Verfahren, um Fäule und Restwand zu erfassen, wenn Zweifel bleiben
MaßnahmeKontrollintervall verkürzen, Krone einkürzen, Kronensicherung, Totholz entfernen oder Fällung

Wie ein Gutachten aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Baumgutachten. Viele Bäume lassen sich trotz Pilzbefall mit Pflege noch lange erhalten, siehe Baum erhalten statt fällen.

Was gilt rechtlich bei Fällung und Schnitt?

Auch ein kranker Baum kann unter eine kommunale Baumschutzsatzung fallen; die Regeln sind je Stadt verschieden. Informationen zu Ihrer Stadt finden Sie in der Ortsübersicht und im Ratgeber Baum fällen: Genehmigung.

Bundesweit verbietet § 39 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 BNatSchG, Bäume außerhalb von Wald, Kurzumtriebsplantagen und gärtnerisch genutzten Grundflächen vom 1. März bis 30. September zu fällen oder stark zurückzuschneiden. Ausgenommen sind Maßnahmen, die im öffentlichen Interesse nicht zu anderer Zeit durchgeführt werden können und der Verkehrssicherheit dienen. Eine akut bruchgefährdete Kastanie mit Brandkrustenpilz kann also auch im Sommer gefällt werden, wenn die Fällung nicht aufgeschoben werden kann. Der Artenschutz nach § 44 BNatSchG gilt trotzdem: Höhlen, Nester und Quartiere geschützter Tiere dürfen nicht zerstört werden. Mehr dazu unter Fällzeiten und Vogelschutz.

Wie kann man Pilzbefall vorbeugen?

Vorbeugen heißt vor allem, Bäume vital zu halten und Wunden an Wurzeln, Stamm und Ästen zu vermeiden. Viele holzzersetzende Pilze sind Schwächeparasiten oder Wundparasiten: Sie befallen bevorzugt gestresste Bäume oder dringen über Verletzungen ein.

  • Wurzelbereich bei Bauarbeiten schützen: keine Gräben, keine Verdichtung, keine Aufschüttungen.
  • Fachgerecht schneiden statt kappen; große Schnittwunden vermeiden, siehe Fachgerechter Baumschnitt.
  • Anfahr- und Mähschäden am Stammfuß vermeiden.
  • In langen Trockenphasen durchdringend wässern; Trockenstress begünstigt etwa Riesenporling, Massaria und Rußrindenkrankheit.
  • Stubben befallener Bäume entfernen, weil Pilze wie Hallimasch darin überdauern, siehe Wurzelstock entfernen.
  • Ältere Bäume an genutzten Flächen regelmäßig kontrollieren lassen.

Häufige Fragen

Muss ein Baum mit Pilz gefällt werden?

Nicht automatisch. Entscheidend sind Pilzart, Sitz am Baum, Fortschritt der Fäule, Vitalität und Standort. Manche Bäume bleiben mit Pilzbefall viele Jahre verkehrssicher; andere müssen kurzfristig gefällt werden. Das klärt eine Fachkraft, wenn nötig mit einer eingehenden Untersuchung.

Soll ich den Pilz vom Baum entfernen?

Nein. Der Fruchtkörper ist nur das Fortpflanzungsorgan. Der eigentliche Pilz lebt als Geflecht im Holz und arbeitet dort weiter. Außerdem braucht die Fachkraft den Fruchtkörper, um die Art zu bestimmen.

Welche Pilze am Baum sind besonders gefährlich?

Die FLL zählt Brandkrustenpilz, Lackporlinge und Riesenporling zu den gefährlichsten holzabbauenden Pilzen. Gefährlich sind außerdem Hallimasch an Wurzeln und Stammfuß sowie Braunfäule-Erreger wie der Schwefelporling an Stamm und Starkästen.

Was ist der Unterschied zwischen Weißfäule und Braunfäule?

Weißfäulepilze bauen auch das Lignin ab; das Holz wird hell und faserig. Braunfäulepilze bauen vor allem Zellulose ab; das Holz wird braun, bekommt Würfelrisse und lässt sich zu Pulver zerreiben. Braunfaules Holz verliert seine Zug- und Biegefestigkeit besonders stark.

Was soll ich fotografieren, bevor ich einen Fachbetrieb anrufe?

Den ganzen Baum mit Umgebung, den Fruchtkörper von oben, unten und von der Seite mit einem Größenvergleich, die Stelle am Baum, den Stammfuß rundherum und auffällige Risse oder Höhlungen. Fotos ersetzen keine Besichtigung, helfen aber bei der Einschätzung der Dringlichkeit.

Sind Pilze im Rasen unter dem Baum gefährlich?

Nicht jeder Pilz im Rasen hat mit dem Baum zu tun. Stehen große Fruchtkörper aber direkt über Wurzeln oder am Stammfuß, etwa Riesenporling oder Hallimasch, sollte eine Fachkraft den Baum ansehen.

Quellen

  1. WSL Totholz: Holzfäulen – Braunfäule, Weissfäule und Moderfäule
  2. Pflanzenschutzamt Berlin: Holzzerstörende Pilze – Steckbriefe
  3. FLL: Info-Flyer Brandkrustenpilz (2013), Produktbeschreibung
  4. FLL: Baumkontrollrichtlinien – Überarbeitung abgeschlossen (09.04.2020)
  5. Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Flacher Lackporling – Ganoderma lipsiense (Februar 2022)
  6. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
  7. Greig, Gregory, Strouts: Honey Fungus. Forestry Commission Bulletin 100 (1991)

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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