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Riesenporling an der Buche: Wurzelfäule und Umsturzgefahr

Baumkrankheit · Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit · 6 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Der Riesenporling (Meripilus giganteus) ist ein Schwächeparasit, der vor allem ältere Buchen über die Wurzeln befällt und dort eine intensive Weiß- bzw. Moderfäule verursacht. Seine großen, fächerförmigen Fruchtkörper erscheinen von Juli bis Oktober am Stammfuß oder in der Baumscheibe; ihre Unterseite färbt sich bei Druck dunkel. Wenn sie sichtbar sind, ist der Befall meist schon fortgeschritten und ältere Wurzeln sind zerstört. Befallene Bäume können auch bei guter Belaubung plötzlich umstürzen und müssen von einer Fachkraft auf Standsicherheit untersucht werden.

Was ist der Riesenporling?

Der Riesenporling (Meripilus giganteus) ist ein holzzersetzender Pilz, der lebende Laubbäume über die Wurzeln besiedelt und deren Verankerung im Boden zerstört. Er gilt als Schwächeparasit: Er befällt vor allem Bäume, die bereits geschwächt sind. Hauptwirt ist die Rotbuche, seltener trifft es andere Laubbäume und vereinzelt Nadelbäume.

Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) zählt den Riesenporling, zusammen mit Brandkrustenpilz und Lackporlingen, zu den gefährlichsten holzabbauenden Pilzarten für die Stand- und Bruchsicherheit.

Der Forstwissenschaftler Dr. Ralf Petercord erläuterte 2024 in einer Leseranfrage der Fachzeitschrift top agrar, dass der Pilz keine Wunden zum Eindringen braucht. Es reiche, wenn ältere Wurzeln bei schlechter Nährstoffversorgung absterben. Häufig betroffen sind Straßen-, Park- und Gartenbäume, veredelte Bäume ebenso wie Wildformen.

Woran erkennt man den Riesenporling?

Man erkennt den Riesenporling an großen, büschelartigen Fruchtkörpern aus vielen übereinanderstehenden Hüten am Stammfuß oder im Wurzelbereich, deren Unterseite sich bei Druck schwarz färbt. Die Angaben in der Tabelle stammen aus dem Steckbrief des Pflanzenschutzamts Berlin.

MerkmalWo am BaumWann im Jahr
Fruchtkörper aus mehreren fächer- oder zungenförmigen Hüten an einem knolligen Strunk, 20 bis 60 cm hoch, bis 100 cm breitStammfuß, Wurzelanläufe, auch in der Baumscheibe über WurzelnJuli bis Oktober
Oberseite ocker- bis rötlich braun, fein faserig gestreiftFruchtkörperJuli bis Oktober
Unterseite cremegelblich, bei Druck und im Alter dunkel bis schwarzFruchtkörperJuli bis Oktober
Alte, schwarz verfärbte, zerfallende FruchtkörperresteStammfuß, BodenHerbst bis Winter
Kronensymptome wie lichte Krone, kleine Blätter, TotholzKroneerst spät im Krankheitsverlauf

Die Fruchtkörper sind einjährig und nicht das ganze Jahr zu sehen. Wer im Spätsommer oder Herbst an einer älteren Buche einen solchen Pilz bemerkt, sollte ein Foto machen, bevor er verschwindet.

Womit kann man ihn verwechseln?

Am ehesten verwechselt man den Riesenporling mit dem Klapperschwamm (Grifola frondosa). Der Klapperschwamm wächst nach Berliner Angaben fast ausschließlich an Eichen, seltener an Edelkastanie, hat graubraune Hutlappen und eine Unterseite, die sich bei Druck nicht dunkel färbt. Auch er verursacht eine Weißfäule, die aber meist langsam voranschreitet.

Der Drucktest ist einfach: mit dem Finger auf die Unterseite drücken und beobachten, ob die Stelle dunkel anläuft. Das spricht für den Riesenporling. Eine sichere Bestimmung sollte trotzdem eine Fachkraft vornehmen.

Welche Folgen hat er für die Standsicherheit?

Der Riesenporling gefährdet vor allem die Standsicherheit, weil er die tragenden Wurzeln zersetzt; befallene Bäume können umstürzen, obwohl die Krone noch gut belaubt ist. Das Pflanzenschutzamt Berlin beschreibt eine intensive Weißfäule, teils auch eine Moderfäule. Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL nennt den Riesenporling ausdrücklich unter den Moderfäule-Erregern.

Dr. Ralf Petercord fasst die Folgen so zusammen: Befallene Bäume können trotz guter Belaubung plötzlich umstürzen, weil das Wurzelwerk stark verfault ist. Sie können aber auch langsam absterben. Wenn Fruchtkörper erscheinen, ist der Befall meist fortgeschritten, und ältere Wurzeln sind dann in der Regel bereits zerstört.

Warum die Krone so lange gesund aussieht: Das Pflanzenschutzamt Berlin weist darauf hin, dass Kronensymptome erst spät sichtbar werden. Solange noch genügend Wurzeln die Krone mit Wasser versorgen, wirkt der Baum vital, ist aber statisch womöglich schon geschwächt. Für Eigentümer ist das wichtig, weil sie für die Verkehrssicherheit ihrer Bäume haften, siehe Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.

Was sollten Eigentümer tun?

Wer an einer Buche oder einem anderen Laubbaum einen Riesenporling entdeckt, sollte den Baum zeitnah von einer Fachkraft auf Standsicherheit prüfen lassen und den Fallbereich bis dahin meiden. Ob ein Baum noch standsicher ist, lässt sich anhand von Fotos nicht beurteilen.

  1. Fotos machen: Fruchtkörper oben und unten, Stammfuß, ganzer Baum mit Umgebung.
  2. Fallbereich meiden, besonders bei Sturm. Der Fallbereich entspricht etwa der Baumhöhe rund um den Stamm.
  3. Fachbetrieb oder Sachverständigen beauftragen, siehe Baumgutachten.
  4. Bei Trockenheit wässern, wenn der Baum vorerst erhalten werden soll. Petercord empfiehlt, an wenigen Tagen im Monat größere Mengen zu geben, die normalen Niederschlägen entsprechen, statt täglich kleine Mengen; Staunässe ist zu vermeiden.
  5. Genehmigung klären, falls gefällt werden muss. Baumschutzsatzungen sind je Stadt verschieden, siehe Ortsübersicht und Baum fällen: Genehmigung.

Was tut ein Fachbetrieb?

Ein Fachbetrieb beurteilt den Zustand von Wurzelraum, Stammfuß und Krone und klärt mit einer eingehenden Untersuchung, ob der Baum noch sicher steht. Bei Wurzelpilzen reicht ein Blick auf den Stamm nicht, weil der Schaden unter der Erde liegt.

SchrittInhalt
BestimmungFruchtkörper bestimmen, Klapperschwamm und andere Arten ausschließen
SichtkontrolleLage und Zahl der Fruchtkörper, Bodenrisse, Anheben des Wurzeltellers, Schiefstand, Kronenzustand
Eingehende UntersuchungUntersuchung der Standsicherheit nach den FLL-Baumuntersuchungsrichtlinien mit geeigneten technischen Verfahren
Maßnahme bei noch ausreichender StandsicherheitKronenentlastung, kürzere Kontrollintervalle, Wässern in Trockenzeiten
Maßnahme bei fehlender StandsicherheitFällung

Weil der Pilz die Verankerung angreift, ist eine Kroneneinkürzung hier nur eine Übergangslösung. Die Entscheidung hängt vom Einzelfall und vom Standort ab. Steht der Baum außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen, ist eine Fällung zur Gefahrenabwehr auch zwischen 1. März und 30. September zulässig, wenn sie der Verkehrssicherheit dient und im öffentlichen Interesse nicht aufgeschoben werden kann (§ 39 Abs. 5 BNatSchG). Für Bäume im Hausgarten gilt diese Schutzzeit ohnehin nicht. Der Artenschutz nach § 44 BNatSchG bleibt überall zu beachten, siehe Fällzeiten und Vogelschutz.

Wie verbreitet ist der Riesenporling in NRW?

Belastbare Zahlen zur Verbreitung des Riesenporlings in NRW liegen in den von uns geprüften Quellen nicht vor. Petercord vermutet im besprochenen Fall, dass Trockenheit die Buche so geschwächt hat, dass der Pilz eindringen konnte. Trockenjahre können Buchen also so schwächen, dass Schwächeparasiten wie der Riesenporling leichter Fuß fassen. Mehr dazu unter Trockenstress bei Buchen.

Wie kann man vorbeugen?

Gegen den Riesenporling selbst gibt es kein Mittel; vorbeugen heißt, Buchen vital zu halten und ihre Wurzeln zu schützen. Weil der Pilz geschwächte Bäume und absterbende Wurzeln nutzt, zählt alles, was die Wurzeln stresst.

  • Wurzelbereich bei Bauarbeiten schützen: keine Gräben, keine Bodenverdichtung, keine Aufschüttungen.
  • Bodenversiegelung im Wurzelbereich vermeiden oder zurückbauen.
  • In langen Trockenphasen durchdringend wässern, ohne Staunässe zu erzeugen.
  • Ältere Buchen an Wegen, Häusern und Spielflächen regelmäßig kontrollieren lassen, besonders im Spätsommer und Herbst, wenn Fruchtkörper erscheinen.

Häufige Fragen

Muss eine Buche mit Riesenporling gefällt werden?

Nicht in jedem Fall sofort, aber sie muss untersucht werden. Der Forstwissenschaftler Dr. Ralf Petercord rät: Ist die Standsicherheit nicht mehr gegeben, sollte der Baum umgehend gefällt werden. Ist sie noch gegeben, kann Wässern bei Trockenheit die Lebenserwartung begrenzt verlängern.

Woran erkenne ich den Riesenporling?

An großen, mehrhütigen, fächer- bis zungenförmigen Fruchtkörpern am Stammfuß, an Wurzeln oder in der Baumscheibe, oberseits ocker- bis rotbraun. Typisch ist, dass die cremefarbene Unterseite bei Druck dunkel bis schwarz anläuft.

Warum sieht meine Buche trotz Riesenporling gesund aus?

Kronensymptome zeigen sich beim Riesenporling erst spät. Der Pilz zerstört vor allem ältere Wurzeln; solange andere Wurzeln die Krone noch versorgen, wirkt der Baum vital, obwohl seine Verankerung im Boden schon geschwächt ist.

Kann man den Riesenporling bekämpfen?

Nein, ein Mittel gegen den Pilz im Wurzelholz gibt es nicht. Man kann nur die Vitalität des Baumes stützen, etwa durch Wässern in Trockenzeiten, und die Standsicherheit regelmäßig überwachen lassen.

Kann man den Riesenporling verwechseln?

Ja, vor allem mit dem Klapperschwamm, der meist an Eichen wächst. Dessen Unterseite färbt sich bei Druck nicht dunkel.

Quellen

  1. Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Riesenporling – Meripilus giganteus (Februar 2022)
  2. top agrar: Riesenporling an Buche – ist der Baum noch standsicher? Antwort von Dr. Ralf Petercord (16.03.2024)
  3. Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Klapperschwamm – Grifola frondosa (Februar 2022)
  4. WSL Totholz: Holzfäulen – Braunfäule, Weissfäule und Moderfäule
  5. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
  6. FLL: Info-Flyer Brandkrustenpilz (2013), Produktbeschreibung mit Einordnung der gefährlichsten holzabbauenden Pilze

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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