Was ist ein Lackporling?
Lackporlinge sind Baumpilze der Gattung Ganoderma, die lebendes und totes Holz abbauen und dabei eine Weißfäule verursachen. Weißfäule bedeutet: Der Pilz zersetzt sowohl das Lignin, das dem Holz seine Druckfestigkeit gibt, als auch die Zellulose. Das befallene Holz wird hell, weich, faserig und verliert seine Tragfähigkeit. Weil die Zersetzung ungestört durch den Stamm fortschreiten kann, wird der Baum nach Angaben einer europäischen Übersichtsstudie anfälliger für Windbruch.
In Europa gelten sieben Lackporling-Arten als heimisch. Für Baumbesitzer in Hagen, im Ruhrgebiet und im Sauerland sind vor allem zwei wichtig:
- der Wulstige Lackporling (Ganoderma adspersum),
- der Flache Lackporling (Ganoderma applanatum, auch unter dem Namen G. lipsiense geführt).
Beide bilden mehrjährige, konsolenartige Fruchtkörper, die Jahr für Jahr eine neue Zuwachszone anlegen. Die Porenschicht auf der Unterseite ist hell und färbt sich bei Berührung bräunlich.
Welche Bäume sind betroffen?
Lackporlinge befallen ganz überwiegend Laubbäume. Eine slowakische Untersuchung in Städten hat den Wulstigen Lackporling als häufigste Art gefunden, am häufigsten an Rosskastanie und Winterlinde, insgesamt an 24 Gehölzarten. Europaweit ist er an Bäumen aus 43 Gattungen nachgewiesen. Der Pilz gilt als typischer Begleiter von Bäumen in Siedlungen, Parks und an Straßen.
Der Flache Lackporling wächst häufig an Buche, außerdem an Erle, Birke, Hainbuche, Eiche, Weide und Pappel, seltener an Nadelbäumen. Er lebt zu einem großen Teil auf Stubben und totem Holz, kommt aber auch am Stammfuß lebender Bäume vor.
In der slowakischen Untersuchung wurden Lackporlinge unter anderem auch an Spitz- und Bergahorn gefunden. Eine belastbare Statistik für Nordrhein-Westfalen, welche Baumarten wie oft befallen sind, haben wir nicht gefunden.
Woran erkenne ich einen Lackporling?
Einen Lackporling erkennen Sie in der Regel erst am Fruchtkörper, denn die Fäule im Holz ist von außen unsichtbar. Achten Sie besonders auf den Bereich zwischen den Wurzelanläufen, also den Zwickeln, in denen sich die Wurzeln vom Stamm lösen.
| Merkmal | Wo am Baum | Wann im Jahr |
|---|---|---|
| Harte, mehrjährige, konsolenförmige Fruchtkörper mit wulstigen Zuwachszonen | Stammfuß, Wurzelanläufe, unterer Stamm | ganzjährig sichtbar, da mehrjährig |
| Helle Porenschicht, die sich bei Berührung bräunlich färbt | Unterseite des Fruchtkörpers | in der Wachstumszeit frisch, sonst matter |
| Mehrere Fruchtkörper unterschiedlichen Alters übereinander | Stamm aufwärts | ganzjährig |
| Abgestorbene, eingesunkene Rinde | Stammfuß, zwischen den Wurzelanläufen | ganzjährig, fortgeschrittenes Stadium |
| Schüttere Krone, kleine Blätter, Totholz | Krone | Vegetationszeit; oft erst spät |
Wichtig ist der letzte Punkt: Die Krone kann noch dicht und gesund wirken, während der Stammfuß bereits stark geschwächt ist. Mehrere unterschiedlich alte Fruchtkörper entlang des Stammes zeigen dem Fachmann außerdem, in welche Richtung sich die Fäule ausbreitet. Wie produktiv die Pilze sind, zeigt eine Literaturangabe zum Flachen Lackporling: Ein einzelner Fruchtkörper kann bis zu 30 Milliarden Sporen am Tag freisetzen, über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten.
Womit kann man den Lackporling verwechseln?
Der Lackporling lässt sich mit mehreren anderen Pilzen am Stammfuß verwechseln, die ähnlich gefährlich, aber anders zu bewerten sind. Die beiden Lackporlinge selbst lassen sich am Fruchtkörper kaum unterscheiden. Eine italienische Untersuchung betont, dass eine sichere Trennung oft nur molekularbiologisch gelingt.
Verwechslungsgefahr besteht außerdem mit:
- dem Riesenporling, der ebenfalls am Stammfuß von Laubbäumen, häufig Buchen, fruktifiziert,
- dem Brandkrustenpilz, der eine Fäule im Wurzel- und Stammfußbereich verursacht,
- dem Hallimasch, der an weißen, fächerförmigen Myzelplatten unter der Rinde zu erkennen ist,
- weiteren Lackporling-Arten wie dem Harzigen Lackporling.
Für die Praxis gilt: Jeder größere Pilz am Stammfuß ist ein Anlass, den Baum fachlich ansehen zu lassen. Einen Überblick gibt unser Beitrag Pilze am Baum erkennen.
Wie gefährlich ist ein Lackporling für Stand- und Bruchsicherheit?
Ein Lackporling am Stammfuß ist ein ernstes Warnzeichen, weil der Pilz genau dort Holz abbaut, wo die größten Kräfte aus Wind und Kronengewicht ankommen. Wie gefährlich der Befall im Einzelfall ist, hängt davon ab, wie viel gesundes Holz noch übrig ist und wie kräftig der Baum nachwächst.
Zwei Befunde aus der Fachliteratur helfen bei der Einordnung:
- Der Wulstige Lackporling kann Abschottungszonen durchbrechen. Bäume grenzen Fäule normalerweise mit sogenannten Reaktionszonen ab. Der Wulstige Lackporling kann diese intakten Zonen nach den zitierten Laborbefunden durchdringen, der Flache Lackporling offenbar nicht. Fehlen solche Zonen, verursacht dagegen der Flache Lackporling die ausgedehntere Fäule. Die richtige Bestimmung ist deshalb für die Risikobewertung nicht gleichgültig.
- Aufsteigende Fäulen haben ein höheres Schadenspotenzial. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie beschreiben den Wulstigen Lackporling als wurzelbürtigen Pilz, der eine von unten aufsteigende Stammfäule verursacht. Bricht ein solcher Baum, fällt meist die ganze Krone samt Stamm.
Solange die Wurzelanläufe kräftig wachsen, kann ein befallener Baum den zentralen Holzabbau oft lange ausgleichen. Kritisch wird es, wenn der Pilz größere Bereiche der äußeren, lebenden Holzschicht und des Kambiums zerstört hat und die Rinde am Stammfuß flächig abstirbt. In dieser Phase brechen Bäume vor allem an den Wurzelanläufen, teils ohne vorherige Anzeichen in der Krone.
Was sollten Eigentümer tun?
Wenn Sie einen Lackporling entdecken, lassen Sie den Baum zeitnah von einer fachkundigen Person beurteilen. Bis dahin hilft:
- Fotografieren Sie den Fruchtkörper, den Stammfuß und die ganze Krone. Notieren Sie das Datum.
- Fruchtkörper nicht abschlagen. Seine Größe und Zuwachszonen geben Hinweise auf Alter und Aktivität des Befalls.
- Gefahrenbereich prüfen. Steht der Baum an einem Weg, einer Straße, einem Spielplatz oder am Haus, sollten Sie den Bereich bei Sturm meiden und die Untersuchung nicht aufschieben.
- Wurzelbereich schonen. Bodenverdichtung, Aufgrabungen und Wurzelverletzungen schwächen den Baum zusätzlich.
Als Eigentümer sind Sie für die Verkehrssicherheit Ihres Baumes verantwortlich. Ein bekannter Pilzbefall erhöht die Anforderungen an Kontrolle und Dokumentation. Mehr dazu lesen Sie unter Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.
Was tut ein Fachbetrieb?
Ein Fachbetrieb oder Sachverständiger beurteilt zunächst den ganzen Baum mit dem Auge: Kronenform, Vitalität, Lage des Pilzes, Hebelwirkung der Krone und Zustand der Wurzelanläufe. Ein veröffentlichtes Gutachten der Stadt Innsbruck zu einer Blutbuche mit Lackporling zeigt das typische Vorgehen:
- Schalltomographie am Stammfuß: Schallwellen werden durch den Stamm geschickt. Die Messung zeigt, wo das Holz zersetzt oder hohl ist.
- Statische Abschätzung: Aus Restwandstärke, Baumhöhe und Krone wird eine rechnerische Sicherheitsreserve abgeschätzt.
- Zugversuch: Der Baum wird mit einer definierten Zugkraft belastet, Neigung und Dehnung am Stammfuß werden gemessen. So lässt sich die Standsicherheit der Wurzeln beurteilen.
- Folgekontrollen: Bei ausreichender Sicherheit wird der Baum in festen Abständen erneut untersucht, weil die Fäule langsam weiter fortschreitet.
Je nach Ergebnis kommen eine Kroneneinkürzung zur Verringerung der Hebelwirkung, eine Kronensicherung, engere Kontrollintervalle oder die Fällung in Frage. Wann sich ein ausführliches Baumgutachten lohnt, erklären wir gesondert. Ob für eine Fällung eine Genehmigung nötig ist, richtet sich nach der Baumschutzsatzung Ihrer Stadt, siehe Fällgenehmigung und die Ortsübersicht.
Wie verbreitet ist der Lackporling in NRW?
Belastbare Zahlen zur Verbreitung des Lackporlings in Nordrhein-Westfalen haben wir nicht gefunden. Die Lackporlinge sind in Mitteleuropa weit verbreitet, der Wulstige Lackporling vor allem an Bäumen in Siedlungen und Parks. Eine europäische Studie hat zudem festgestellt, dass der Anteil parasitisch lebender Lackporlinge in städtischer Umgebung höher ist als in naturnahen Wäldern. Für Straßen-, Park- und Gartenbäume im Raum Hagen und im Ruhrgebiet ist der Pilz deshalb ein Thema, auch wenn es keine Landesstatistik gibt.
Wie kann man vorbeugen?
Gegen die Sporen des Lackporlings lässt sich ein Baum nicht abschirmen, wohl aber gegen die Eintrittspforten an Wurzeln und Stammfuß. Lackporlinge dringen vor allem über Verletzungen an Wurzeln und Stammfuß ein. Vorbeugend wirken:
- keine Bauarbeiten, Gräben oder Bodenverdichtung im Wurzelbereich,
- Anfahrschäden am Stammfuß vermeiden, etwa durch Rasenmäher, Fahrzeuge oder Baumaschinen,
- keine großen Schnittwunden an Starkästen, sondern fachgerechter Baumschnitt,
- ein guter Standort mit lockerem Boden und ausreichend Wasser, damit der Baum Fäulen abschotten und Holz nachbilden kann,
- regelmäßige Sichtkontrollen, bei älteren Bäumen in der Nähe von Wegen und Gebäuden durch eine fachkundige Person.
Häufige Fragen
Muss ein Baum mit Lackporling sofort gefällt werden?
Nicht automatisch. Befallene Bäume können den Holzabbau oft über Jahre durch kräftiges Wachstum der Wurzelanläufe ausgleichen. Entscheidend ist, wie viel tragfähiges Holz noch vorhanden ist, und das klärt nur eine Untersuchung vor Ort.
Kann man den Lackporling behandeln oder abschlagen?
Eine Behandlung, die den Pilz im Holz stoppt, gibt es nicht. Das Abschlagen des Fruchtkörpers ändert an der Fäule im Inneren nichts, nimmt aber dem Gutachter einen wichtigen Hinweis auf Alter und Ausbreitung des Befalls.
Wie unterscheiden sich Wulstiger und Flacher Lackporling?
Äußerlich sehr schwer. Selbst Fachleute können die beiden Arten am Fruchtkörper oft nicht sicher trennen, eine sichere Trennung gelingt oft nur molekularbiologisch. Für die Risikobewertung ist die Art nicht gleichgültig; entscheidend bleibt, wie weit die Fäule reicht.
Welche Bäume befällt der Lackporling?
Ganz überwiegend Laubbäume. In Städten wurde der Wulstige Lackporling besonders häufig an Rosskastanie und Linde gefunden, der Flache Lackporling häufig an Buche, daneben an Erle, Birke, Hainbuche, Eiche, Weide und Pappel.
Ist ein Baum mit Lackporling noch versicherungs- und haftungsrechtlich unproblematisch?
Ein sichtbarer Pilzfruchtkörper ist ein erkennbares Warnzeichen. Wer als Eigentümer davon weiß und nichts unternimmt, trägt im Schadensfall ein höheres Haftungsrisiko. Rechtsberatung im Einzelfall leisten nur Anwälte.
Quellen
- De Simone, D.; Annesi, T. (2012): Occurrence of Ganoderma adspersum on Pinus pinea. Phytopathologia Mediterranea 51(2)
- Beck, T. et al. (2018): Host preferences of wood-decaying fungi of the genus Ganoderma in the urban areas of Slovakia. Annales Universitatis Paedagogicae Cracoviensis Studia Naturae 3
- Grinn-Gofroń, A. et al. (2021): Abundance of Ganoderma sp. in Europe and SW Asia. Science of the Total Environment 793 (Universität Augsburg, OPUS)
- Weber, K.; Mattheck, C. et al. (2019): Unterschiedliches Schadenspotential bei auf- oder absteigenden Fäulen. Karlsruher Institut für Technologie
- Stadt Innsbruck: Baumgutachten Blutbuche mit Lackporling (Schalltomographie, 2024)
Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.
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