Was ist der Brandkrustenpilz?
Der Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta, früher Ustulina deusta oder Hypoxylon deustum) ist ein holzzersetzender Schlauchpilz, der lebende Laubbäume über die Wurzeln befällt und den Stammfuß von innen zersetzt. Er gehört zur Familie der Holzkeulenverwandten. Neben totem Holz besiedelt er auch lebende Bäume.
Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) zählt ihn wegen der Herabsetzung der Stand- und Bruchsicherheit, neben den Lackporlingen und dem Riesenporling, zu den gefährlichsten holzabbauenden Pilzarten. Das Tückische: Seine Fruchtkörper sind unscheinbar und wachsen versteckt am Stammgrund. Ein Befall bleibt deshalb oft lange unbemerkt.
Welche Bäume sind betroffen?
Der Brandkrustenpilz befällt vor allem Linde, Buche, Rosskastanie und Ahorn, außerdem Birke und Esche. Diese Hauptwirte nennt das Pflanzenschutzamt Berlin; Nadelhölzer sind selten betroffen.
An Buchen tritt er nach Untersuchungen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) häufig als Folgepilz auf, wenn Phytophthora-Erreger zuvor den Stammfuß geschädigt haben. Für den Bergahorn zählt die NW-FVA ihn zu den Pilzen, die Vitalität und Bruchsicherheit deutlich gefährden, meist bei bereits geschwächten Bäumen.
Woran erkennt man den Brandkrustenpilz?
Den Brandkrustenpilz erkennt man an schwarzen, flachen Krusten am Stammfuß, die an verkohltes Holz erinnern und beim Eindrücken knacken. Die Fruchtkörper sind mehrjährig und bleiben lange erhalten. Die Angaben in der Tabelle stammen aus dem Steckbrief des Pflanzenschutzamts Berlin.
| Merkmal | Wo am Baum | Wann im Jahr |
|---|---|---|
| Schwarze, krustige, unregelmäßige Fruchtkörper, flächig 15 bis 30 cm breit, etwa 1 cm dick | Stammfuß, meist zwischen den Wurzelanläufen, bodennah | ganzjährig |
| Fruchtkörper lassen sich mit hörbarem Knacken eindrücken | ebenda | ganzjährig, bei alten, ausgetrockneten Krusten |
| Frische Nebenfruchtform, weißlich bis grau | Stammfuß | April bis Juni |
| Dunkle Flecken an der Rinde | unterer Stammbereich | ganzjährig |
| Kaum Symptome in der Krone | Krone | auch bei fortgeschrittener Fäule |
Im Frühjahr sind die jungen Fruchtkörper hell, im Laufe des Sommers werden sie dunkler bis schwarz. Wer den Stammfuß einer älteren Linde oder Buche prüft, sollte Laub, Efeu und Bewuchs zur Seite schieben und auch zwischen die Wurzelanläufe sehen.
Womit kann man ihn verwechseln?
Alte Brandkrusten können auf den ersten Blick wie verschmutzte oder verkohlte Rinde wirken und werden deshalb leicht übersehen. Das Knacken beim Eindrücken und die Lage zwischen den Wurzelanläufen sind gute Unterscheidungsmerkmale.
Am Ahorn ist eine Verwechslung mit der Rußrindenkrankheit möglich, weil beide schwarz sind. Bei der Rußrindenkrankheit liegt der schwarze Belag aber als stäubendes Sporenpulver unter abgeplatzter Rinde, oft großflächig am Stamm, während der Brandkrustenpilz feste Krusten auf der Oberfläche am Stammfuß bildet. Eine sichere Bestimmung gehört in die Hände einer Fachkraft.
Welche Folgen hat er für Stand- und Bruchsicherheit?
Der Brandkrustenpilz kann die Bruchsicherheit im unteren Stamm und am Stammfuß erheblich beeinträchtigen, ohne dass die Krone das verrät. Nach Angaben des Pflanzenschutzamts Berlin verursacht er eine intensive Moderfäule im Wurzel- und Stammfußbereich; der Steckbrief spricht auch von einer aggressiven Moder- bzw. Weißfäule. Die Fachliteratur ist sich bei der Einordnung nicht ganz einig, entscheidend ist die Wirkung.
Bei einer Moderfäule werden vor allem die Zellulosebestandteile des Holzes abgebaut, beschreibt die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL; sie nennt den Brandkrustenpilz ausdrücklich als Moderfäule-Erreger. Typisch für Bäume mit Brandkrustenpilz ist nach Berliner Angaben ein spröder Bruch: Das Holz reißt nicht faserig ein, sondern bricht ohne lange Vorankündigung. Das Pflanzenschutzamt Berlin weist darauf hin, dass dadurch nahezu vollbelaubte, scheinbar gesunde Bäume umbrechen können.
Für Eigentümer bedeutet das: Eine grüne, dichte Krone ist bei diesem Pilz kein Beleg für Sicherheit. Mehr zur Haftung im Ratgeber Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.
Welche Untersuchung taugt beim Brandkrustenpilz?
Bohrende Verfahren eignen sich beim Brandkrustenpilz nicht, um die Bruchsicherheit festzustellen, weil sie den tatsächlichen Holzabbau nicht erfassen. Darauf weist Martin Brandstetter vom österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) hin; der Pilz wird dort noch unter seinem älteren Namen Ustulina deusta geführt. Eine genaue Diagnose hält er gerade beim Brandkrustenpilz für unumgänglich, weil die Baumarten unterschiedlich auf den Pilz reagieren. Welches Verfahren im Einzelfall passt, entscheidet die sachverständige Person vor Ort; einen Überblick über Sichtprüfung, Schalltomographie und Zugversuch gibt der Ratgeber Baumgutachten.
Besonderheiten bei der Buche
Die Buche wehrt sich nach der Darstellung des BFW stärker gegen den Brandkrustenpilz als die Linde, abhängig davon, wie vital sie beim Befall ist. Eine vitale Buche kann den Pilz örtlich begrenzen oder sogar abkapseln; starke Einwallungen im Rindenmantel deuten auf eine solche Abwehrreaktion hin, und rippenartige Wülste am Stamm sind für einen Befall der Buche typisch. Hat die Buche einen ausgeprägten Stammfuß und ist sie im Verhältnis zu ihrem Durchmesser nicht sehr hoch (niedriger h/d-Wert), ist ihre Bruchgefahr nach dem BFW geringer als bei der Linde. Die Linde dagegen reagiert oft kaum; ein geradschaftiger Stamm ohne verstärkten Stammfuß, der „wie in den Boden gesteckt“ wirkt, gilt dort als Zeichen akuter Stammbruchgefahr. Für die Einschätzung im Einzelfall ersetzt das keine Untersuchung.
Was sollten Eigentümer tun?
Wer schwarze Krusten am Stammfuß eines Laubbaums findet, sollte zeitnah eine Fachkraft hinzuziehen, besonders wenn der Baum an Wegen, Häusern, Spielplätzen oder Parkplätzen steht.
- Fruchtkörper nicht entfernen. Sie sind für die Bestimmung wichtig und ihr Abkratzen hält den Pilz im Holz nicht auf.
- Fotos machen: ganzer Baum, Stammfuß rundherum, Fruchtkörper aus der Nähe mit einem Gegenstand als Größenvergleich.
- Bereich im Fallbereich meiden, bis der Baum beurteilt ist.
- Fachbetrieb oder Sachverständigen beauftragen, siehe Baumgutachten.
- Genehmigung klären, falls eine Fällung nötig wird. Baumschutzsatzungen unterscheiden sich je Stadt, siehe Ortsübersicht.
Was tut ein Fachbetrieb?
Ein Fachbetrieb bestimmt den Pilz, untersucht das Ausmaß der Fäule am Stammfuß und entscheidet dann über Erhalt, Kroneneinkürzung oder Fällung. Nach den FLL-Baumkontrollrichtlinien beginnt das mit der Sichtkontrolle; bleiben Zweifel an der Verkehrssicherheit, folgt eine eingehende Untersuchung nach den FLL-Baumuntersuchungsrichtlinien.
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Bestimmung | Fruchtkörper ansprechen, Verwechslungen ausschließen |
| Sichtprüfung | Stammfuß freilegen, Wurzelanläufe, Risse, Schiefstand, Kronenzustand |
| Eingehende Untersuchung | technische Verfahren zur Ermittlung der Restwandstärke und Bruchsicherheit, je nach Fall |
| Maßnahme bei ausreichender Sicherheit | Baum erhalten, Kontrollintervall verkürzen |
| Maßnahme bei verminderter Sicherheit | Krone einkürzen, um die Hebelkräfte zu senken, oder Fällung |
Ob eine Kroneneinkürzung genügt, hängt vom Einzelfall ab. Ohne Besichtigung und Untersuchung lässt sich das nicht sagen. Steht der Baum außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen, ist eine Fällung zur Gefahrenabwehr auch zwischen 1. März und 30. September zulässig, wenn sie der Verkehrssicherheit dient und im öffentlichen Interesse nicht aufgeschoben werden kann (§ 39 Abs. 5 BNatSchG); für Bäume im Hausgarten gilt diese Schutzzeit ohnehin nicht. Der Artenschutz nach § 44 BNatSchG gilt in jedem Fall. Mehr dazu unter Fällzeiten und Vogelschutz.
Wie verbreitet ist der Brandkrustenpilz in NRW?
Der Brandkrustenpilz ist in Deutschland an Laubbäumen weit verbreitet; eine eigene Statistik für NRW gibt es nach unserer Recherche nicht. Die NW-FVA beschreibt ihn als häufigen Begleiter geschädigter Buchen und Ahorne in Nordwestdeutschland.
Wie kann man vorbeugen?
Bekämpfen lässt sich der Brandkrustenpilz nicht; vorbeugen heißt, Wurzeln und Stammfuß vor Verletzungen und Stress zu schützen. Geschwächte Bäume werden häufiger befallen, und der Pilz dringt über die Wurzel ein.
- Bei Bauarbeiten den Wurzelbereich schützen, keine Gräben durch den Wurzelraum ziehen, keine Bodenverdichtung durch Fahrzeuge oder Lagerflächen.
- Anfahrschäden und Mähverletzungen am Stammfuß vermeiden, etwa durch einen Schutzring oder eine freie Baumscheibe.
- Bei Trockenheit wässern, um den Baum vital zu halten.
- Ältere Linden, Buchen und Rosskastanien an genutzten Flächen regelmäßig kontrollieren lassen, mit Blick auf den Stammfuß.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich den Brandkrustenpilz?
An flachen, schwarzen, krustigen Belägen am Stammfuß, meist zwischen den Wurzelanläufen, die sich mit einem leisen Knacken eindrücken lassen. Im Frühjahr kann zusätzlich eine weißlich-graue Nebenfruchtform auftreten. Oft sind auch dunkle Flecken am unteren Stamm zu sehen.
Ist ein Baum mit Brandkrustenpilz noch zu retten?
Den Pilz kann man nicht bekämpfen. Ob der Baum noch sicher steht, hängt davon ab, wie weit die Fäule fortgeschritten ist. Das lässt sich nur mit einer eingehenden Untersuchung klären; je nach Ergebnis wird der Baum erhalten und häufiger kontrolliert, die Krone eingekürzt oder der Baum gefällt.
Warum ist der Brandkrustenpilz so gefährlich?
Weil er kaum auffällt und die Krone lange gesund wirkt, während das Holz am Stammfuß zersetzt wird. Das Holz bricht dann spröde statt faserig, sodass der Baum ohne erkennbare Vorwarnung umbrechen kann.
Bringt es etwas, die schwarzen Krusten abzukratzen?
Nein. Die Krusten sind nur die Fruchtkörper. Der Pilz selbst sitzt im Holz von Wurzeln und Stammfuß und arbeitet dort weiter.
Welche Bäume befällt der Brandkrustenpilz?
Vor allem Laubbäume, besonders Linde, Buche, Rosskastanie, Ahorn, Birke und Esche. Nadelbäume sind selten betroffen.
Quellen
- Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Brandkrustenpilz – Kretzschmaria deusta (Februar 2022)
- FLL: Info-Flyer Brandkrustenpilz (2013), Produktbeschreibung
- WSL Totholz: Holzfäulen – Braunfäule, Weissfäule und Moderfäule
- NW-FVA: Komplexe Erkrankungen an Buche. Beiträge aus der NW-FVA, Band 3 (2008)
- Brandstetter, M. (BFW): Der Brandkrustenpilz (Ustulina deusta) – eine fast unsichtbare Gefährdung für zahlreiche Laubbäume. Forstschutz aktuell 38 (2007), online bei waldwissen.net
- § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
- Langer, Bressem, Habermann: Vermehrt Pilzkrankheiten an Bergahorn in Nordwestdeutschland. AFZ-DerWald 6/2013
Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.
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