Was ist der Schwefelporling?
Der Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) ist ein holzzersetzender Pilz, der lebende Laubbäume über Wunden besiedelt und im Kernholz eine aggressive Braunfäule verursacht. Er lebt sowohl als Parasit am lebenden Baum als auch als Zersetzer an totem Holz. Das Pflanzenschutzamt Berlin beschreibt sein Auftreten als häufig.
Bevorzugt befällt er Laubbäume mit dunklem Farbkern: Robinie, Eiche und Kirsche. Daneben kommt er an hellholzigen Arten wie Rosskastanie, Weide und Eberesche vor, laut Baumpflegeportal auch an Pflaume und Walnuss. Nadelbäume wie Fichte oder Lärche sind seltener betroffen. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt nennt ihn außerdem unter den Pilzen, die Vitalität und Bruchsicherheit von Bergahorn deutlich gefährden.
Woran erkennt man den Schwefelporling?
Der Schwefelporling ist im Frühsommer kaum zu übersehen: Er bildet leuchtend gelbe bis orange, fächerförmige Hüte, die dachziegelartig übereinander wachsen. Die Angaben in der Tabelle stammen aus dem Berliner Steckbrief und dem Baumpflegeportal.
| Merkmal | Wo am Baum | Wann im Jahr |
|---|---|---|
| Junge Fruchtkörper leuchtend orange bis gelborange, Unterseite schwefelgelb, welliger Rand, 10–40 cm breit | Stamm, Starkäste, seltener Stammfuß und oberflächennahe Wurzeln | Mai bis September, junge leuchtende Fruchtkörper ab etwa Mitte Mai |
| Ältere Fruchtkörper ausgeblichen, grau bis weißlich, trocken und spröde | ebenda | Spätsommer bis Herbst, Reste teils bis ins Folgejahr |
| Weiße Linien auf der Rinde | Stamm, an der Stelle abgefallener Fruchtkörper | ganzjährig |
| Gelbliche Myzelmatten in Rissen | Wundränder, Risse | ganzjährig |
| Rotbraunes, würfelig zerfallendes Holz, braunes Holzpulver aus Rindenrissen | Kernholz, im Spätstadium aus Rissen rieselnd | ganzjährig |
Die Fruchtkörper sind einjährig. Ein Baum kann über Jahre jedes Frühjahr neue bilden. Die weißen Rückstände abgefallener Fruchtkörper sind ein Hinweis, auch wenn gerade kein frischer Pilz zu sehen ist.
Womit kann man ihn verwechseln?
Im frischen Zustand ist der Schwefelporling durch seine Farbe recht eindeutig. Verwechslungen sind vor allem mit ausgeblichenen, alten Exemplaren möglich, die grau bis weißlich werden. Das Baumpflegeportal nennt beim Sammeln die Verwechslungsgefahr mit dem Riesenporling und dem Zimtfarbenen Weichporling.
Bei Eichen ist auch der Leberpilz (Fistulina hepatica) ein möglicher Kandidat, wenn nur Holzschäden zu sehen sind. Er verursacht ebenfalls eine rötliche Kernfäule, die später würfelig zerfällt, bildet aber nach Berliner Angaben keine gelblichen Myzelmatten in den Wundrissen, und seine Fäule schreitet in Eichen nur langsam voran. Die sichere Bestimmung sollte eine Fachkraft übernehmen.
Welche Folgen hat er für die Bruchsicherheit?
Der Schwefelporling mindert die Bruchsicherheit erheblich, weil Braunfäule die Festigkeit des Holzes besonders stark herabsetzt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL beschreibt die Braunfäule als Abbau von Zellulose und Hemizellulose: Rohdichte sowie Zug- und Biegefestigkeit des Holzes sind bei fortgeschrittener Fäule drastisch gemindert. Typisch ist der Würfelbruch; im Endstadium lässt sich das Holz zu Pulver zerreiben.
Gleichzeitig kann der Baum lange vital aussehen. Nach Angaben des Baumpflegeportals baut der Pilz zuerst das Kernholz ab, während das wasserleitende Splintholz bei vitalen Bäumen erst sehr spät betroffen ist. Der Baum wird von innen ausgehöhlt, ohne dass die Krone das zeigt. Vitale Bäume können so auch starke Fäule viele Jahre ausgleichen.
Besonders kritisch sind große Eichen mit weit ausladenden Starkästen, weil sich die Fäule bis in die Hauptäste ausbreiten kann. Dort ist die Gefahr von Astbrüchen hoch. In der Endphase stirbt die Rinde ab, reißt auf, und braunes Holzpulver rieselt heraus. Spätestens dann ist der Baum bruchgefährdet. Zu den Pflichten von Baumbesitzern siehe Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.
Was sollten Eigentümer tun?
Wer einen Schwefelporling an einem Baum entdeckt, sollte die Fundstelle dokumentieren und den Baum von einer Fachkraft beurteilen lassen. Eile ist geboten, wenn der Pilz an einem Starkast über Wegen, Terrassen, Parkplätzen oder Spielflächen sitzt.
- Fruchtkörper stehen lassen: Er ist für die Bestimmung und für die Beurteilung des Befallsorts wichtig.
- Fotos machen: Fruchtkörper, Lage am Baum, ganzer Baum, Risse oder Höhlungen.
- Bereich unter betroffenen Ästen meiden, bis die Fachkraft da war.
- Fachbetrieb oder Sachverständigen beauftragen, siehe Baumgutachten.
- Genehmigung klären, falls Schnitt oder Fällung nötig wird. Baumschutzsatzungen unterscheiden sich je Stadt, siehe Ortsübersicht.
Was tut ein Fachbetrieb?
Ein Fachbetrieb ermittelt, wo und wie weit die Fäule reicht, und entscheidet dann zwischen Kontrolle, Kronenentlastung, Kronensicherung oder Fällung. Nach den FLL-Baumkontrollrichtlinien ist bei Zweifeln an der Verkehrssicherheit eine eingehende Untersuchung angezeigt; Verfahren und Dokumentation regeln die FLL-Baumuntersuchungsrichtlinien.
| Befund | Übliche Maßnahme |
|---|---|
| Fruchtkörper am Stamm, ausreichende gesunde Restwand, vitale Krone | Baum erhalten, regelmäßig kontrollieren |
| Fäule in einem Starkast über genutzter Fläche | Ast einkürzen oder entfernen |
| Stamm geschwächt, Krone groß | Krone einkürzen, um Hebelkräfte zu senken; gegebenenfalls Kronensicherung |
| Fäule weit fortgeschritten, Rinde reißt, Holzpulver tritt aus | Fällung |
Ob ein Baum gehalten werden kann, lässt sich ohne Besichtigung nicht sagen. Totholz und abgestorbene Äste zu entfernen gehört zu den schonenden Pflegeschnitten, die § 39 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 BNatSchG auch zwischen 1. März und 30. September erlaubt. Stärkere Rückschnitte und Fällungen sind in dieser Zeit nur bei Bäumen außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen verboten, und auch dort nicht, wenn sie der Verkehrssicherheit dienen und im öffentlichen Interesse nicht aufgeschoben werden kann; Bäume im Hausgarten fallen nicht unter die Schutzzeit. Höhlen in alten Bäumen können Lebensraum geschützter Tiere sein; der Artenschutz nach § 44 BNatSchG gilt immer, siehe Fällzeiten und Vogelschutz.
Wie verbreitet ist der Schwefelporling in NRW?
Der Schwefelporling gilt als häufiger Pilz an Laubbäumen; eine eigene Statistik für NRW gibt es nach unserer Recherche nicht. Für Nordwestdeutschland nennt ihn die NW-FVA unter den Fäulepilzen, die geschwächte Bergahorne gefährden. Wo Eichen, Robinien und Weiden stehen, ist mit ihm zu rechnen.
Wie kann man vorbeugen?
Weil der Schwefelporling über Wunden an Stamm und Ästen eindringt, ist die wichtigste Vorbeugung, große Verletzungen zu vermeiden. Dazu gehören fachgerechte Schnitte statt Kappungen, keine großen Astwunden am Stamm und Schutz vor Anfahrschäden.
- Starkäste nicht ohne Not entfernen, große Schnittwunden vermeiden, siehe Fachgerechter Baumschnitt.
- Rinde bei Bauarbeiten, Mäharbeiten und auf Parkplätzen schützen.
- Ältere Eichen, Robinien und Weiden an genutzten Flächen regelmäßig kontrollieren lassen, am besten auch im Frühsommer, wenn die Fruchtkörper gut sichtbar sind.
Häufige Fragen
Ist ein Baum mit Schwefelporling verloren?
Nicht sofort. Der Pilz zersetzt zunächst das Kernholz, während das wasserleitende Splintholz bei vitalen Bäumen lange intakt bleibt. Solche Bäume können viele Jahre verkehrssicher bleiben, müssen aber regelmäßig auf Bruchsicherheit kontrolliert werden.
Warum ist Braunfäule gefährlicher als Weißfäule?
Braunfäule baut Zellulose ab, die dem Holz seine Zug- und Biegefestigkeit gibt. Das Holz wird spröde, bekommt Würfelrisse und lässt sich zuletzt zu Pulver zerreiben. Befallene Teile können daher plötzlich brechen.
Hilft es, den Schwefelporling abzuschlagen?
Nein. Der Fruchtkörper ist nur der sichtbare Teil. Der Pilz sitzt im Holz und arbeitet weiter. Der Fruchtkörper ist außerdem ein wichtiges Merkmal für die Kontrolle.
Kann man den Schwefelporling essen?
Junge Fruchtkörper gelten gegart als essbar, roh verursachen sie Beschwerden, und es besteht Verwechslungsgefahr. Diese Seite ist kein Pilzratgeber; vor dem Verzehr sollten Sie eine Pilzberatung fragen.
An welchen Bäumen wächst der Schwefelporling?
Vor allem an Laubbäumen mit Farbkern wie Robinie, Eiche und Kirsche, außerdem an Weide, Rosskastanie, Eberesche, Walnuss und Pflaume. Nadelbäume sind seltener betroffen.
Quellen
- Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Schwefelporling – Laetiporus sulphureus (Februar 2022)
- WSL Totholz: Holzfäulen – Braunfäule, Weissfäule und Moderfäule
- Baumpflegeportal: Regelmäßige Baumkontrolle notwendig – Schwefelporling
- Pflanzenschutzamt Berlin: Steckbrief Leberpilz – Fistulina hepatica (September 2022)
- § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
- Langer, Bressem, Habermann: Vermehrt Pilzkrankheiten an Bergahorn in Nordwestdeutschland. AFZ-DerWald 6/2013
Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.
Passend dazu
- Pilzbefall am Baum: Fruchtkörper erkennen und richtig einordnenBaumkrankheit
- Lackporling am Baum: Wulstiger und Flacher Lackporling erkennen und richtig einschätzenBaumkrankheit
- Brandkrustenpilz: unscheinbar am Stammfuß, gefährlich für die BruchsicherheitBaumkrankheit
- Massaria an Platanen: Astbruch von oben erkennen und vorbeugenBaumkrankheit