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Massaria an Platanen: Astbruch von oben erkennen und vorbeugen

Baumkrankheit · Aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit · 8 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Die Massaria-Krankheit wird vom Pilz Splanchnonema platani verursacht und befällt vor allem Platanen ab etwa 30 bis 40 Jahren nach Trockenphasen. Der Pilz tötet zuerst die Oberseite von Ästen ab und zersetzt das Holz rasch; die Äste können noch belaubt sein und trotzdem brechen, teils schon wenige Monate nach den ersten Symptomen. Weil die Schäden oben auf dem Ast liegen, ist eine sichere Kontrolle nur von oben möglich, etwa per Hubarbeitsbühne. Die Stadt Essen lässt ihre Platanen wegen des erhöhten Befalls alle acht Monate kontrollieren.

Was ist die Massaria-Krankheit?

Die Massaria-Krankheit ist eine Pilzerkrankung der Platane, bei der Äste von der Oberseite her absterben, rasch zersetzt werden und unerwartet abbrechen können. Erreger ist der Schlauchpilz Splanchnonema platani. Der Name Massaria stammt von der früheren wissenschaftlichen Bezeichnung Massaria platani. Die Nebenfruchtform des Pilzes heißt Macrodiplodiopsis desmazieresii; ihre Sporen färben die befallene Rinde schwarz. Andere Baumarten befällt der Pilz nach bisherigem Kenntnisstand nicht: Die britische Forstforschungsbehörde Forest Research kennt keine Wirte außerhalb der Gattung Platanus, und das Pflanzenschutzamt Berlin führt als Wirte nur Platanen-Arten auf.

Lange galt der Pilz als harmloser „Astreiniger“, der schwache, beschattete Äste im Kroneninneren abbaut. Nach Angaben des Pflanzenschutzamts Berlin wurde er 2003 in Süddeutschland erstmals als Krankheitserreger beschrieben, in Berlin fiel er 2006 auf. Seitdem nehmen die Schäden zu.

Betroffen sind die in Städten gepflanzten Platanen (Platanus × hispanica, auch P. acerifolia) sowie weitere Platanenarten. Meist zeigt sich der Pilz an Bäumen ab etwa 30 bis 40 Jahren, an geschwächten Jungbäumen kann er aber ebenfalls auftreten.

Woran erkennt man Massaria?

Massaria zeigt zwei Schadbilder: ganze Äste, die welken und absterben, und Äste, bei denen nur die Oberseite abstirbt, während das Laub noch grün ist. Das zweite ist das tückischere. Die Tabelle fasst die Beschreibungen des Pflanzenschutzamts Berlin und der britischen Forstbehörde zusammen.

MerkmalWo am BaumWann im Jahr
Plötzlich welkendes Laub, rascher Laubverlust, abblätternde Rinde an einem ganzen AstÄste im unteren und inneren KronenbereichSommerhalbjahr
Rosa bis rötlicher Streifen, am Astansatz breit, zur Astspitze hin spitz auslaufendAstoberseiteganzjährig, frisch im Anfangsstadium
Schwarzer SporenbelagAstansatz am Stamm, Astoberseite, Astgabelnganzjährig nach Absterben der Rinde
Abblätternde, rissige Rinde, darunter kaffeebraun geschecktes HolzAstoberseiteeinige Monate nach der Verfärbung
Kleine abgebrochene Äste mit schwarzer Bruchstelleam Boden unter dem Baumganzjährig
Bruchkante oben spröde, unten faserig ausgerissenan abgebrochenen Ästennach einem Bruch

Die abgestorbene Zone kann nach Berliner Angaben bis zur Hälfte des Astumfangs einnehmen. Weil der Rest des Astes das Laub noch versorgt, wirkt der Ast vom Boden aus gesund. Ein Fingerzeig sind vermehrt abgestorbene Feinäste und Zweige.

Womit kann man Massaria verwechseln?

Am häufigsten wird Massaria mit normalem Totholz oder mit einer Blattkrankheit verwechselt, die der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW zu den häufigsten Krankheiten der Platane zählt. Dieser andere Pilz tritt nach kühlem, feuchtem Frühjahr auf, verfärbt die Blätter und lässt Triebspitzen bis etwa 30 Zentimeter Länge absterben. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW erholen sich die Bäume davon meist mit dem Johannistrieb im Sommer. Gefährlicher Astbruch ist dabei nicht das Thema.

Gewöhnliches Totholz im Schatten der Krone hat keinen schwarzen Sporenbelag am Astansatz und keine streifenförmige Verfärbung auf der Oberseite. Ob ein Ast von Massaria befallen ist, lässt sich sicher erst aus der Nähe beurteilen.

Welche Folgen hat Massaria für die Bruchsicherheit?

Massaria macht befallene Äste in kurzer Zeit bruchgefährlich, weil der Pilz das Holz sehr intensiv und rasch zersetzt. Das Pflanzenschutzamt Berlin beschreibt eine schnell fortschreitende simultane Weißfäule, die zu einem spröden Bruch führt. Die äußeren Äste brechen dann oft unter ihrem eigenen Gewicht oder bei Wind.

Britische Baumpfleger in den Londoner Royal Parks haben Astbrüche schon drei Monate nach dem ersten sichtbaren Symptom beobachtet; in anderen Fällen vergingen ein oder mehrere Jahre. Weil Platanen oft an Straßen, Parkplätzen und Spielplätzen stehen, ist das ein ernstes Verkehrssicherheitsthema. Die Standsicherheit des ganzen Baumes steht nach den ausgewerteten Quellen nicht im Vordergrund; es geht um Astbruch.

Was sollten Eigentümer tun?

Eigentümer einer älteren Platane sollten den Boden unter dem Baum im Blick behalten und bei Hinweisen auf Massaria eine Kontrolle aus der Krone veranlassen. Das ist auch Teil der Verkehrssicherungspflicht, siehe Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht.

  • Kleine heruntergefallene Äste aufheben und die Bruchstelle ansehen: Ist sie schwarz verfärbt?
  • Den Astansatz am Stamm mit dem Fernglas betrachten: Gibt es schwarzen Belag?
  • Bereiche unter verdächtigen Ästen vorübergehend nicht als Sitzplatz oder Parkplatz nutzen.
  • Fotos der Funde machen und einem Fachbetrieb zeigen.
  • In trockenen Sommern wässern, falls der Standort das zulässt.

Selbst in die Krone zu steigen oder befallene Äste von der Leiter aus abzusägen, ist wegen der Bruchgefahr keine gute Idee.

Was tut ein Fachbetrieb?

Ein Fachbetrieb kontrolliert die Platane von oben, entfernt befallene Äste und schlägt bei Bedarf einen Pflegeschnitt der ganzen Krone vor. Die Stadt Dortmund schreibt dazu, die Kontrolle sei nur vom Hubsteiger aus möglich, weil sich die Symptome zuerst auf der Astoberseite zeigen. Alternativ arbeiten Baumpfleger in Seilklettertechnik in der Krone.

MaßnahmeZielHinweis
Kontrolle von oben (Hubarbeitsbühne oder Seilklettertechnik)befallene Äste erkennenAstansatzstellen besonders prüfen
Entfernen befallener Äste und von Totholzakute Bruchgefahr beseitigenschützt nicht vor neuem Befall
Moderater Rückschnitt der ganzen KroneHebelkräfte verringern, Krone kompakter und luftigerPlatanen gelten als schnittverträglich und schotten Fäulen gut ab
Wiederholte Kontrollenneue Befallsschübe früh erkennenIntervall nach Befall und Nutzung festlegen

Wie oft muss kontrolliert werden?

Ein fachlich festgeschriebenes Kontrollintervall speziell für Massaria gibt es nicht; die Praxis in NRW-Städten zeigt aber, dass kurze Abstände üblich sind. Die Stadt Essen lässt ihre Platanen laut Ausschreibung für 2026 bis 2028 wegen des erhöhten Massariabefalls alle acht Monate per Hubarbeitsbühne oder Sonderverfahren kontrollieren; in jedem vierten Durchgang kommt eine Kronenpflege hinzu. Das Pflanzenschutzamt Berlin weist darauf hin, dass auch nach trockenen Wintern Befallsschübe auftreten können. Für eine Platane im Garten legt der Fachbetrieb das Intervall nach Befallsstärke und darunter liegender Nutzung fest.

Schnitt und Fällzeit

Das Pflanzenschutzamt Berlin hat beobachtet, dass Platanen nach Schnittmaßnahmen der gesamten Krone kompakter wirken, dunkleres Laub tragen und später im Jahr Laub abwerfen. Gerade bei jüngeren Platanen lohnt es sich, Endgröße und Kronenform früh zu planen, damit die Schnittwunden klein bleiben. Eine Kappung ist dagegen kein fachgerechter Schnitt, siehe Fachgerechter Baumschnitt.

Rechtlich ist das Entfernen abgestorbener und befallener Äste als schonender Pflegeschnitt ganzjährig erlaubt, auch zwischen 1. März und 30. September (§ 39 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 BNatSchG); der Artenschutz nach § 44 BNatSchG ist dabei zu beachten. Ein Rückschnitt der ganzen Krone kann darüber hinausgehen. Dann ist er bei Platanen außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen nur vom 1. Oktober bis 28. bzw. 29. Februar zulässig – außer er dient der Verkehrssicherheit und kann im öffentlichen Interesse nicht aufgeschoben werden (§ 39 Abs. 5 Satz 2 Nr. 2 Buchstabe c BNatSchG) –, während für Platanen im Hausgarten diese Schutzzeit nicht gilt; Einzelheiten unter Fällzeiten und Vogelschutz.

Fachlich ist davon der günstigste Zeitpunkt zu unterscheiden: Größere Schnitte gehören nicht in den Winter, weil Bäume dann am schwächsten auf Wunden reagieren, wie der Ratgeber Fachgerechter Baumschnitt mit Belegen erklärt. Außerhalb von Gärten bleibt für einen stärkeren Kronenschnitt deshalb vor allem der Oktober.

Wie verbreitet ist Massaria in NRW?

Massaria ist in NRW-Städten ein bekanntes Problem, wie Ausschreibungen und Mitteilungen der Kommunen zeigen. Die Stadt Essen begründet ihre achtmonatigen Kontrollen ausdrücklich mit dem erhöhten Befall. In Dortmund wurden 2023 an Westfalendamm und Rheinlanddamm rund 400 Platanen kontrolliert und beschnitten.

Landesweite Zahlen zur Befallshäufigkeit liegen in den von uns geprüften Quellen nicht vor.

Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugen lässt sich vor allem, indem man Trockenstress vermeidet und die Krone luftig hält. Als befallsfördernd nennt das Pflanzenschutzamt Berlin geringe Niederschläge, hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung, dicht stehende Platanen mit ineinanderwachsenden Kronen und eine verringerte Vitalität.

Eine Feldstudie (Gaertig und Bergmann, Jahrbuch der Baumpflege 2011) zeigte laut Berliner Merkblatt, dass zusätzliche Bewässerung im Sommer das Risiko einer Neuinfektion deutlich senkt. Eine Behandlung gibt es nach Angaben der britischen Forstbehörde nicht, außer befallene Äste rechtzeitig zu entfernen. Sie empfiehlt zusätzlich, Werkzeug und Seile nach der Arbeit an befallenen Platanen zu reinigen und Schnittgut zu verbrennen oder tief zu vergraben.

Häufige Fragen

Ist Massaria für die Platane tödlich?

Nicht unbedingt. Massaria lässt vor allem einzelne Äste absterben und brechen. Gefährlich ist sie für Menschen und Sachen unter dem Baum, weniger für den Baum selbst.

Wie oft sollte eine Platane mit Massaria kontrolliert werden?

Einen bundesweit festgelegten Rhythmus gibt es nicht. Die Stadt Essen kontrolliert ihre Platanen wegen erhöhten Befalls alle acht Monate per Hubarbeitsbühne. Für Platanen auf Privatgrund legt ein Fachbetrieb das Intervall nach Befall, Standort und Nutzung darunter fest.

Kann man Massaria vom Boden aus erkennen?

Nur teilweise. Ganz abgestorbene Äste sind meist als Totholz erkennbar. Die gefährlichere Form, bei der nur die Astoberseite abstirbt, ist vom Boden aus kaum zu sehen. Hinweise sind kleine abgebrochene Äste mit schwarz verfärbter Bruchstelle unter dem Baum.

Hilft es, befallene Äste herauszuschneiden?

Es senkt die akute Gefahr, verhindert aber keinen neuen Befall. Das Pflanzenschutzamt Berlin hat gute Erfahrungen mit regelmäßigen, moderaten Rückschnitten der ganzen Krone und mit zusätzlicher Bewässerung gemacht.

Ist Massaria ansteckend für andere Bäume?

Nach bisherigem Kenntnisstand nicht. Die britische Forstforschungsbehörde Forest Research geht davon aus, dass der Pilz keine Baumarten außerhalb der Gattung Platanus befällt; das Pflanzenschutzamt Berlin führt als Wirte ebenfalls nur Platanen-Arten auf.

Quellen

  1. Pflanzenschutzamt Berlin: Massaria-Krankheit an Platane (Merkblatt, Januar 2025)
  2. Pflanzenschutzamt Berlin: Pilzliche Schaderreger – Massaria
  3. Stadt Essen (GGE): Ausschreibung Kronenpflege und Massariakontrolle 2026–2028, TED 431112-2026
  4. Forest Research (UK): Massaria disease (Splanchnonema platani) – Pests and diseases database
  5. Stadt Dortmund: Platanen-Pflege an der Bundesstraße 1 (Pressemitteilung Oktober 2023)
  6. Forestry Commission (UK): Massaria Disease of Plane – Symptoms Guide
  7. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
  8. Landwirtschaftskammer NRW: Pilzbefall an Platanen lässt Blätter welken (Pressemeldung 2010)

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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