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Baumpflege-RatgeberHagen · Ruhrgebiet · Sauerland

Borkenkäfer an der Fichte: Befall erkennen, richtig handeln und Gefahren abwenden

Schädling · Aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit · 6 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Buchdrucker (Ips typographus) und Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) sind Borkenkäfer, die unter der Rinde von Fichten brüten und den Baum bei Massenbefall zum Absterben bringen. In NRW entstand durch Sturm, Dürre und Käfer seit 2018 eine Nadelholz-Schadfläche von rund 139.700 Hektar (Stand August 2025); die Massenvermehrung gilt inzwischen als beendet. Sicherstes frühes Befallszeichen ist braunes Bohrmehl am Stamm. Befallene Fichten sollten gefällt werden, bevor die Jungkäfer ausfliegen.

Welche Borkenkäfer befallen die Fichte?

An der Fichte richten in Nordrhein-Westfalen vor allem zwei Borkenkäferarten Schäden an: der Buchdrucker und der Kupferstecher. Beide brüten in der Rinde, genauer im Bast, also der saftführenden Schicht direkt unter der Borke. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab, die Larven fressen Gänge und zerstören dabei die Leitungsbahnen des Baumes.

Buchdrucker (Ips typographus)Kupferstecher (Pityogenes chalcographus)
Größe4,2 bis 5,5 mm1,6 bis 2,9 mm
Befallener Baumteildickrindige Stammteile älterer Fichtendünnrindige Teile: junge Fichten, Wipfel und Äste älterer Bäume
FlugzeitMitte April bis Ende August, ab etwa 16,5 °C Lufttemperaturab April/Mai (Spätschwärmer)
Generationenmeist 2, in warmen Jahren 31 bis 2
BrutbildGänge unter der Rinde, häufig Geschwisterbruten3 bis 6 sternförmig auseinanderlaufende Muttergänge

Beide Arten kommen oft gemeinsam am selben Baum vor. Größere Befallsherde an stehenden Bäumen entstehen beim Kupferstecher meist nur zusammen mit dem Buchdrucker.

Wie stark war NRW betroffen?

Nordrhein-Westfalen hat von 2018 bis 2023 eine Borkenkäferkalamität erlebt, der viele ältere Fichtenbestände zum Opfer gefallen sind. Eine Kalamität ist ein großflächiges Schadereignis, bei dem Schadholz in Mengen anfällt, die den normalen Einschlag weit übersteigen. Auslöser waren der Orkan „Friederike“ im Januar 2018 mit über zwei Millionen Kubikmetern Sturmholz und die anschließenden Dürresommer. Liegen gebliebenes Holz bot den Käfern ideales Brutmaterial.

Die wichtigsten Zahlen aus den Waldzustandsberichten des Landes:

  • Schadholz: Von Anfang 2018 bis September 2022 fielen in der Fichte durch Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer rund 44,7 Millionen Festmeter Schadholz an. Die Vorratsverluste summierten sich auf etwa 57 Prozent des Fichtenvorrats in NRW.
  • Schadfläche: Per Satellit ermittelt, umfasst die durch Windwurf und Borkenkäfer entstandene Nadelholz-Schadfläche 139.696 Hektar (Stand August 2025).
  • Ende der Kalamität: 2025 wuchs die Schadfläche nur noch um 1.557 Hektar. Der Waldzustandsbericht 2025 betrachtet die 2018 entstandene Kalamität als beendet.

Für Ihre Einordnung: Vor der Kalamität nahm die Fichte nach Angaben der Landesregierung rund 30 Prozent der Waldfläche in NRW ein.

Welche Regionen um Hagen und im Sauerland sind betroffen?

Das Schwergewicht der Schäden liegt im Regierungsbezirk Arnsberg, zu dem Hagen, der Märkische Kreis und das Hochsauerland gehören. Eine Auswertung der Satellitendaten vom Juni 2022 ordnete rund 77.200 Hektar und damit 60 Prozent der damals gesicherten Kalamitätsfläche diesem Regierungsbezirk zu. Auf das Regionalforstamt Märkisches Sauerland entfielen rund 15.500 Hektar, auf Soest-Sauerland rund 16.000, auf Oberes Sauerland rund 10.600 und auf Kurkölnisches Sauerland rund 9.500 Hektar. Das Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein lag mit rund 20.000 Hektar an der Spitze.

Zeitlich hat sich der Schwerpunkt verschoben. Zunächst standen das Rheinland, das Bergische Land, das Ruhrgebiet und die Region Soest-Sauerland im Zentrum, seit Ende 2020 rückten das Sauerland und seine Hochlagen in den Mittelpunkt. Heute wachsen ältere Fichten fast nur noch in den höheren Lagen der Eifel sowie im Sieger- und Sauerland. In tieferen Lagen ist die ältere Fichte laut Waldzustandsbericht 2025 beinahe vollständig verschwunden.

Woran erkenne ich einen Befall?

Je früher Sie den Befall erkennen, desto eher lässt sich verhindern, dass die nächste Käfergeneration benachbarte Fichten befällt. Die Merkmale treten in einer typischen Reihenfolge auf:

MerkmalWo am BaumWann
Braunes Bohrmehl, das sicherste frühe Zeichenauf Rindenschuppen, in Spinnweben, am Stammfuß, auf Bodenpflanzenin den ersten Wochen nach dem Einbohren, April bis September
Perlschnurartige Harztröpfchen, verharzte Einbohrlöchermeist nahe dem Kronenansatzfrüh
Grüne Nadeln am Bodenrund um den Stammfußwährend der Brutentwicklung, bei warmem Wetter
Spechtabschläge: helle Stellen, Rindenstücke am BodenStammwährend der Brutentwicklung
Abfallende Rinde bei noch grüner Kroneoberer Stammbereichab etwa 6 Wochen nach Befallsbeginn
Gelbe bis rotbraune Kronevom Kronenansatz zur Spitzespät, Käfer oft schon ausgeflogen

Regen wäscht das Bohrmehl ab, es sammelt sich aber schnell wieder an. Wichtig: Vitale Fichten können anfliegende Käfer durch Harzbildung abwehren, wie der Waldzustandsbericht 2025 für das feuchte Frühjahr beschreibt. Erst Hitze und Wassermangel verbessern die Bedingungen für die Käfer deutlich.

Womit kann man den Befall verwechseln?

Eine braune Krone allein beweist keinen Käferbefall. Auch reiner Trockenstress, Wurzelschäden oder Pilzbefall lassen Fichten absterben. Ein Hinweis: Bei reinem Trockenstress fallen eher rotbraune Nadeln, bei Käferbefall in warmem Wetter oft noch grüne. Am Kupferstecher-Fraßbild sehr ähnlich ist der Furchenflügelige Fichtenborkenkäfer, der aber vor allem in Gebirgswäldern auftritt. Für die Praxis entscheidend sind Bohrmehl und Einbohrlöcher.

Wie gefährlich sind abgestorbene Fichten?

Abgestorbene Fichten sind für andere Bäume keine Befallsquelle mehr, wenn die Käfer ausgeflogen sind, für Menschen aber eine wachsende Gefahr. Die Landesregierung NRW hat schon 2018 darauf hingewiesen, dass tote Fichten eine besondere Brandlast darstellen und das Unfallrisiko für Waldarbeiter und Waldbesucher erhöhen. Mit der Zeit werden Holz und Wurzeln morsch, Äste und Wipfel brechen ab, ganze Bäume können umstürzen.

Steht eine tote Fichte an einem Weg, einer Straße, am Haus oder an der Grundstücksgrenze, haben Sie als Eigentümer die Verkehrssicherungspflicht. Abgestorbene Fichten zu fällen ist gefährlicher als bei gesunden Bäumen, weil das Holz unberechenbar bricht. Das gehört in die Hände eines Fachbetriebs.

Was sollten Sie mit einer Fichte im Garten tun?

Prüfen Sie Fichten im Garten in warmen, trockenen Sommern alle paar Wochen auf Bohrmehl am Stamm und am Stammfuß. Ein Fernglas hilft beim Blick in den oberen Stamm.

Entdecken Sie Befall:

  1. Schnell handeln. Bäume mit braunem Bohrmehl sollten nach Empfehlung des Landes Tirol sofort aufgearbeitet werden, spätestens wenn die Rinde abfällt. Dann wird der Baum gefällt und entrindet oder das Holz zügig abgefahren.
  2. Kronenmaterial nicht liegen lassen. Frisch befallene Äste und Wipfel sind Brutraum für den Kupferstecher. Sie sollten abgefahren, gehäckselt oder verbrannt werden. Nur aufgeschichtete Äste helfen nicht.
  3. Rechtliches klären. Für Bäume außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Grundflächen gilt das Fällverbot vom 1. März bis 30. September nach § 39 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz, mit Ausnahmen unter anderem für Maßnahmen der Verkehrssicherheit. Zusätzlich kann die Baumschutzsatzung Ihrer Stadt gelten. Mehr dazu unter Fällzeiten und Vogelschutz und Fällgenehmigung.
  4. Nachbarn informieren. Käfer fliegen überwiegend bis 100 Meter weit, ein Viertel bis 500 Meter oder weiter. Benachbarte Fichten sind deshalb gefährdet.

Einzelne Fichten im Garten lassen sich ohne Besichtigung nicht pauschal bewerten. Eine vitale Fichte mit gutem Harzfluss kann jahrelang ohne Befall bleiben.

Welche Pflichten haben Waldbesitzer?

Waldbesitzer in NRW sind nach § 48 Landesforstgesetz zur gegenseitigen Rücksichtnahme und zum Schutz benachbarter Waldbestände verpflichtet. So hat es die Landesregierung 2018 im Landtag dargestellt. Als wichtigste Maßnahmen nannte sie, befallene Bäume zu erkennen, einzuschlagen, gegebenenfalls zu entrinden und das Käferholz rasch aus dem Wald zu bringen.

Ergreift ein Waldbesitzer keine ausreichenden Maßnahmen, kann der Landesbetrieb Wald und Holz NRW als Forstbehörde auf Grundlage der §§ 52 und 53 Landesforstgesetz in Verbindung mit § 14 Ordnungsbehördengesetz Forstschutzmaßnahmen anordnen und notfalls mit Verwaltungszwang durchsetzen. Nach Darstellung der Landesregierung setzen die Forstbehörden aber zunächst auf Beratung durch die Försterinnen und Förster. Rechtsberatung im Einzelfall leisten nur Anwälte oder die Forstbehörde.

Was tut ein Fachbetrieb?

Ein Fachbetrieb beurteilt, ob ein Befall vorliegt, ob die Käfer noch im Baum sind und wie gefährlich der Baum für die Umgebung ist. Er fällt befallene oder abgestorbene Fichten so, dass Gebäude, Leitungen und Nachbargrundstücke geschützt bleiben. Auf engem Raum geschieht das stückweise mit Seilklettertechnik, Hubarbeitsbühne oder Kran. Anschließend werden Stamm und Kronenmaterial abgefahren oder gehäckselt. Was das kostet, hängt stark von Baumgröße, Zugänglichkeit und Zustand ab, siehe Kosten für Baumpflege und Fällung.

Wie kann man vorbeugen?

Die beste Vorbeugung ist eine vitale Fichte an einem passenden Standort. Fichten bevorzugen kühl-feuchtes Klima. In tieferen, warmen Lagen sind sie bei Dürre besonders anfällig. Bei Gartenfichten helfen Wässern in langen Trockenperioden, ein unverdichteter Wurzelbereich und das zügige Entfernen von Sturmholz und Fichtenresten mit Rinde. Bei Neupflanzungen in tieferen Lagen ist es sinnvoll, über eine andere, trockenheitsverträglichere Baumart nachzudenken.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass meine Fichte Borkenkäfer hat?

Am sichersten an braunem Bohrmehl auf Rindenschuppen, in Spinnweben und am Stammfuß. Später folgen Harztröpfchen, grüne Nadeln am Boden, Spechtabschläge, abfallende Rinde und zuletzt eine sich rot färbende Krone.

Kann man eine befallene Fichte retten?

Nein. Bei erfolgreichem Massenbefall unterbrechen die Käfer die Leitungsbahnen in der Rinde und der Baum stirbt ab. Wichtig ist dann, ihn zu fällen und die Rinde zu entfernen, bevor die nächste Käfergeneration ausfliegt.

Ist eine abgestorbene Fichte noch gefährlich für meine anderen Bäume?

Wenn die Käfer bereits ausgeflogen sind, geht von dem toten Baum keine Befallsgefahr mehr aus. Er bleibt aber eine Gefahr durch Bruch und als Brandlast und sollte deshalb nicht unkontrolliert stehen bleiben.

Muss ich als Waldbesitzer gegen Borkenkäfer vorgehen?

Nach Darstellung der Landesregierung NRW sind Waldbesitzer nach § 48 Landesforstgesetz zur gegenseitigen Rücksichtnahme und zum Schutz benachbarter Bestände verpflichtet. Der Landesbetrieb Wald und Holz kann Forstschutzmaßnahmen anordnen, setzt aber zuerst auf Beratung.

Darf ich eine Käferfichte im Sommer fällen?

Für Bäume außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Grundflächen gelten die Schutzzeiten nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz, mit Ausnahmen etwa für die Verkehrssicherheit. Für eine Fichte im Hausgarten gilt diese Schutzzeit nicht, der Artenschutz nach § 44 aber immer. Zusätzlich kann eine Baumschutzsatzung gelten. Klären Sie das vorab mit der Stadt.

Quellen

  1. Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW: Waldzustandsbericht 2025, Langfassung
  2. Ministerium NRW: Waldzustandsbericht 2022, Langfassung
  3. Landtag NRW, Drucksache 17/4209: Antwort der Landesregierung „Wie begegnet die Landesregierung der Borkenkäferproblematik?“ (13.11.2018)
  4. Land Tirol: Borkenkäfer – Befallsmerkmale und Ökologie
  5. Waldschutz Schweiz (WSL), Diagnose online: Kupferstecher, Pityogenes chalcographus
  6. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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