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Baumpflege-RatgeberHagen · Ruhrgebiet · Sauerland

Bäume in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis: Waldanteil, Hanglagen, Risiken

Region · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit · 6 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Hagen ist zu rund 42 Prozent bewaldet und hat damit den höchsten Waldanteil aller kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen; der Ennepe-Ruhr-Kreis liegt bei rund 30 Prozent (IT.NRW, Stand Ende 2014). Viele Grundstücke grenzen an Hangwald, sodass Bäume am Waldrand, abgestorbene Fichten seit der Borkenkäferkalamität 2018–2023 und Sturmschäden hier häufige Themen sind. Ob eine Fällung genehmigt werden muss, regelt die Baumschutzsatzung der jeweiligen Stadt, sofern es eine gibt; nach unserer Recherche haben 7 von 10 Städten in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis eine (Stand Oktober 2026).

Hagen und der Ennepe-Ruhr-Kreis liegen am Übergang vom Ruhrgebiet ins Sauerland. Die Täler von Ruhr, Lenne, Volme und Ennepe schneiden sich hier in ein bewaldetes Bergland ein. Für Baumbesitzer heißt das: Viele Gärten liegen am Hang, viele Grundstücke grenzen direkt an Wald, und Fragen zur Standsicherheit stellen sich hier öfter als im flachen Ruhrgebiet.

Wie viel Wald hat die Region?

Hagen ist nach den Zahlen von IT.NRW die waldreichste kreisfreie Stadt Nordrhein-Westfalens: Ende 2014 waren rund 6.730 Hektar, also 42 Prozent des Stadtgebiets, als Waldfläche erfasst. Auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe nennt Hagen mit 42 Prozent an erster Stelle der westfälischen Großstädte (Stand Anfang 2018). Der Ennepe-Ruhr-Kreis liegt mit rund 30 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

GebietWaldflächeAnteil an der Gesamtfläche
Stadt Hagen6.732 ha42,0 %
Ennepe-Ruhr-Kreis12.336 ha30,2 %
Nordrhein-Westfalen882.806 ha25,9 %

Quelle: IT.NRW, Flächenerhebung zum 31.12.2014. Neuere Erhebungen können wegen geänderter Erfassungsmethoden leicht abweichen.

Ein großer Teil dieses Waldes gehört nicht Privatleuten. Der Regionalverband Ruhr (RVR) bewirtschaftet in Hagen nach eigenen Angaben rund 450 Hektar Wald; die größte zusammenhängende Fläche ist der Eilper Berg. Im Ennepe-Ruhr-Kreis betreut der RVR unter anderem Flächen am Krägeloher Berg bei Breckerfeld, den er selbst als Gebiet mit steilen Berghängen beschreibt, und ist über einen Kooperationsvertrag für den Stadtwald Witten zuständig.

Was prägt die Region baumpflegerisch?

Die wichtigste Besonderheit sind Bäume in Hanglage und am Waldrand. An steilen Hängen wirkt das Gewicht der Krone oft einseitig, und ein umstürzender Baum rollt oder rutscht unter Umständen weiter, als seine Höhe vermuten lässt. Für Fällungen bedeutet das in der Praxis: Häufig kann ein Baum nicht in einem Stück umgelegt werden, sondern wird Stück für Stück mit Seilklettertechnik, Hubarbeitsbühne oder Kran abgetragen. Das beeinflusst Aufwand und Preis, wie im Ratgeber zu Kosten von Baumpflege und Fällung erklärt.

Wer ein Grundstück am Waldrand besitzt, sollte wissen, wem die angrenzenden Bäume gehören. Für die Verkehrssicherheit eines Baumes ist sein Eigentümer verantwortlich, also nicht automatisch die Stadt. Mehr dazu, was eine regelmäßige Sichtkontrolle leisten muss, steht im Ratgeber zur Baumkontrolle und Verkehrssicherungspflicht. Bei Bäumen, die über die Grenze ragen, gilt das Nachbarrecht NRW.

Fichtensterben und Wald im Wandel

Die Borkenkäferkalamität der Jahre 2018 bis 2023 hat das Waldbild auch rund um Hagen sichtbar verändert. Nach dem Waldzustandsbericht NRW 2025 beträgt die landesweit durch Windwurf und Borkenkäfer entstandene Nadelholz-Schadfläche seit 2018 rund 139.700 Hektar (Stand August 2025). Der Bericht hält fest, dass ältere Fichten inzwischen fast nur noch in den höheren Lagen von Eifel, Sieger- und Sauerland stehen; in tieferen Lagen seien sie beinahe vollständig verschwunden. Die 2018 entstandene Kalamität betrachtet der Bericht inzwischen als beendet.

Für Grundstückseigentümer bleibt die Aufgabe, mit dem Rest umzugehen: einzelne abgestorbene Fichten am Gartenrand, Kahlflächen am Hang oberhalb von Häusern und junge Wiederbewaldung mit anderen Baumarten. Abgestorbenes Nadelholz verliert über die Jahre an Festigkeit. Hinweise zum Erkennen eines Befalls finden Sie bei den Borkenkäfern an der Fichte.

Welche Krankheiten und Schädlinge spielen eine Rolle?

In Gärten, Parks und an Straßen in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis treten dieselben Baumkrankheiten und Schädlinge auf wie im übrigen Westfalen. Nach den Trockenjahren 2018 bis 2020 und 2022 zeigen Buchen vielerorts Trockenstress; laut Waldzustandsbericht 2025 haben sich die Kronenschäden der Buche zuletzt deutlich verringert. Bei Ahorn ist nach heißen Sommern die Rußrindenkrankheit zu beachten, deren Sporen gesundheitlich bedenklich sind. Eschen an Bächen und in Talauen können vom Eschentriebsterben betroffen sein. Holzzersetzende Pilze wie der Hallimasch oder der Riesenporling sind vor allem dann relevant, wenn der Baum an einem Weg oder Haus steht. Einen Überblick gibt die Seite Pilzbefall am Baum.

Sturm und Trockenheit

Stürme sind in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis ein wiederkehrendes Risiko für Bäume. Orkan Kyrill hat in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 in Nordrhein-Westfalen nach Angaben der Landesregierung 15,7 Millionen Festmeter Holz auf rund 50.000 Hektar geworfen, vor allem in den Wäldern des Sauer- und Siegerlandes. Das Unwetter an Pfingstmontag 2014 (Ela) traf vor allem das Rheinland und Teile des Ruhrgebiets. Was nach einem Sturm zuerst zu tun ist, steht im Ratgeber Sturmschaden am Baum.

Hinzu kommt die Trockenheit. Laut Waldzustandsbericht 2025 ist die Jahresmitteltemperatur in Nordrhein-Westfalen seit 1881 um 1,9 Grad gestiegen, und 2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Bäume am Südhang und auf flachgründigen Böden geraten in trockenen Sommern zuerst unter Stress.

Baumschutzsatzungen in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis

Ob Sie einen Baum auf Ihrem Grundstück fällen dürfen, regelt in erster Linie die Baumschutzsatzung Ihrer Stadt, und diese Satzungen unterscheiden sich von Stadt zu Stadt. Manche Städte schützen Bäume ab einem bestimmten Stammumfang, andere nehmen Obstbäume oder Nadelbäume aus, wieder andere haben gar keine Satzung.

Nach der eigenen Satzungsrecherche des Baumpflege-Ratgebers (Stand Oktober 2026) haben 7 der 10 im Ratgeber erfassten Städte und Gemeinden der Region eine Baumschutzsatzung: Hagen, Herdecke, Wetter (Ruhr), Gevelsberg, Witten, Sprockhövel und Hattingen. Keine Satzung haben nach diesem Stand Breckerfeld, Ennepetal und Schwelm. Satzungen werden geändert, neu erlassen oder aufgehoben; verbindlich ist die aktuelle Fassung Ihrer Stadt. Die Regeln für Ihren Wohnort finden Sie über die Ortsübersicht, etwa auf der Seite für Hagen. Wie das Genehmigungsverfahren abläuft, erklärt der Ratgeber Baum fällen: Wann eine Genehmigung nötig ist.

Unabhängig von jeder Satzung gilt das Bundesnaturschutzgesetz. § 39 Absatz 5 BNatSchG verbietet es, vom 1. März bis 30. September Hecken und Gebüsche sowie Bäume außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen zu beseitigen oder stark zurückzuschneiden. Für Bäume im Hausgarten gilt diese Sperrfrist nicht pauschal; das Artenschutzrecht nach § 44 schützt aber besetzte Nester und Baumhöhlen zu jeder Jahreszeit. Einzelheiten stehen im Ratgeber Fällzeiten und Vogelschutz. Eine verbindliche Auskunft im Einzelfall gibt die Untere Naturschutzbehörde Ihrer Stadt oder Ihres Kreises.

Städte und Gemeinden der Region

Ob eine Baumschutzsatzung gilt, ist von Ort zu Ort verschieden. Auf den Ortsseiten steht, was geschützt ist und wer Fällungen genehmigt.

Häufige Fragen

Wie viel Wald gibt es in Hagen?

Laut IT.NRW waren Ende 2014 rund 6.730 Hektar oder 42 Prozent des Hagener Stadtgebiets Waldfläche. Das ist der höchste Anteil unter allen kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen.

Wer ist zuständig, wenn ein Baum aus dem angrenzenden Wald auf mein Grundstück zu fallen droht?

Grundsätzlich der Eigentümer des Baumes. Das kann eine Privatperson, die Stadt, ein Forstbetrieb oder der Regionalverband Ruhr sein, der allein in Hagen rund 450 Hektar Wald bewirtschaftet. Melden Sie die Gefahr dem Eigentümer schriftlich und mit Foto.

Brauche ich in Hagen oder im Ennepe-Ruhr-Kreis eine Genehmigung zum Fällen?

Das hängt von der Baumschutzsatzung Ihrer Stadt ab, die Stammumfang, Baumarten und Ausnahmen jeweils selbst festlegt. Nach der eigenen Recherche des Baumpflege-Ratgebers (Stand Oktober 2026) haben 7 der 10 erfassten Orte eine Satzung, darunter Hagen, Witten und Hattingen; Breckerfeld, Ennepetal und Schwelm haben keine. Unabhängig davon schützt das Bundesnaturschutzgesetz besetzte Nester und Baumhöhlen zu jeder Jahreszeit.

Sind abgestorbene Fichten am Grundstücksrand gefährlich?

Abgestorbene Fichten verlieren mit der Zeit an Standfestigkeit und Bruchsicherheit. Ob ein einzelner Baum sofort weg muss, lässt sich nur bei einer Besichtigung beurteilen; bei Bäumen an Wegen, Straßen oder Gebäuden sollten Sie nicht lange warten.

Quellen

  1. IT.NRW: Bodenflächen in NRW nach Art der tatsächlichen Nutzung, Ausgabe 2015 (Stand 31.12.2014), Archivkopie
  2. LWL – Westfalen Regional: Waldflächen in Westfalen (Stand 2019), Archivkopie
  3. Regionalverband Ruhr: Wälder des RVR
  4. Waldzustandsbericht NRW 2025, Langfassung (MLV NRW)
  5. Land NRW: Schäden durch Kyrill auch 10 Jahre nach dem Orkan immer noch sichtbar (10.01.2017)
  6. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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