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Baumpflege-RatgeberHagen · Ruhrgebiet · Sauerland

Bäume am Niederrhein: Kopfweiden, Pappeln und Eichen in Wesel, Krefeld und Viersen

Region · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit · 6 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Der Niederrhein ist mit 10 bis 19 Prozent Waldanteil waldarm (IT.NRW, Stand Ende 2014); typisch sind Kopfweiden, Pappeln, Erlen und Eichen in Reihen an Gräben, Wegen und Weiden. Kopfweiden werden regelmäßig in rund zwei Metern Höhe geschnitten, nach Empfehlung der Stadt Neukirchen-Vluyn etwa alle drei bis sechs Jahre; sonst werden sie kopflastig und können auseinanderbrechen. Für Fällungen gilt die Baumschutzsatzung der jeweiligen Gemeinde, sofern es eine gibt; nach unserer Recherche haben 4 von 9 Städten und Gemeinden am Niederrhein eine (Stand Oktober 2026).

Der Niederrhein ist flach, offen und vom Wasser geprägt: Rhein, Altarme, Gräben und Grünland bestimmen das Bild. Zur Region zählen hier der Kreis Wesel, die Stadt Krefeld und der Kreis Viersen. Für Baumbesitzer sind weniger geschlossene Wälder das Thema als Bäume in Reihen an Gräben, Wegen und Weiden, allen voran die Kopfweide.

Wie viel Wald hat der Niederrhein?

Der Niederrhein ist mit 9,5 bis 19,1 Prozent Waldanteil waldärmer als der Landesdurchschnitt von 25,9 Prozent (IT.NRW, Ende 2014); Krefeld gehört zu den waldärmsten kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen.

Stadt / KreisWaldflächeWaldanteil (31.12.2014)
Stadt Krefeld1.313 ha9,5 %
Kreis Wesel18.460 ha17,7 %
Kreis Viersen10.775 ha19,1 %

Quelle: IT.NRW, Flächenerhebung zum 31.12.2014.

Für die Rheinaue am unteren Niederrhein nennt das Kulturlandschaftsportal KuLaDig des Landschaftsverbands Rheinland vor allem Weiden, Erlen und Pappeln als prägende Baumarten; ihre linienförmigen Gehölzstreifen bestimmen das Landschaftsbild stark. An der Waldmessfläche Kleve-Tannenbusch im Niederrheinischen Tiefland wachsen Stiel- und Traubeneichen mit Buche, bei einer Jahresmitteltemperatur von 10,2 Grad und 825 Millimetern Niederschlag im Jahr.

Kopfweiden: das Kennzeichen der Region

Die Kopfweide ist der Charakterbaum des Niederrheins; der Kreis Wesel führt sie sogar im Wappen. Ein Kopfbaum entsteht, wenn ein Baum immer wieder in etwa zwei Metern Höhe zurückgeschnitten wird. An den Schnittstellen treiben zahlreiche neue Ruten aus, und mit der Zeit verdickt sich das Stammende zum typischen Kopf. Der Kopfholzbetrieb ging nach einem Faltblatt der Stadt Neukirchen-Vluyn mit der Grünlandwirtschaft einher: Er lieferte Holz, ohne die Wiesen stark zu beschatten.

Heute haben Kopfbäume kaum noch wirtschaftlichen Wert, und wo der Nutzen fehlt, unterbleibt oft der nötige Schnitt. Genau darin liegt das baumpflegerische Problem. Werden die Abstände zwischen den Schnitten zu lang, wachsen die Äste auf dem Kopf zu schweren Stämmlingen heran, und der Baum wird kopflastig. Dann kann ein kräftiges Sommergewitter genügen, um ihn auseinanderbrechen zu lassen.

Nutzung der Triebeungefährer Schnittabstand
Ruten zum Flechtenalle 2–3 Jahre
regelmäßiger Rückschnitt (Zäune, Flechtwerk, Setzstangen)alle 3–6 Jahre
Brennholzstärkenach etwa 10 Jahren

Quelle: Stadt Neukirchen-Vluyn, Faltblatt „Kopfbäume“.

Kopfweiden sind zugleich wertvolle Lebensräume. Durch das häufige Schneiden entstehen Hohlräume, in denen Fledermäuse, Meisen, Gartenrotschwanz oder der Steinkauz leben; das Faltblatt nennt bis zu 200 Arten, die eine Kopfweide beherbergen kann, und zählt Nordrhein-Westfalen, besonders den Niederrhein, zum Hauptverbreitungsgebiet des Steinkauzes in Deutschland. Vor dem Schnitt sollte deshalb geprüft werden, ob Höhlen besetzt sind; das Artenschutzrecht nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz schützt besetzte Brut- und Ruhestätten zu jeder Jahreszeit. Ein lange nicht geschnittener Kopfbaum lässt sich oft noch retten, wenn der Rückschnitt fachgerecht und gegebenenfalls in Stufen erfolgt; der Ratgeber Fachgerechter Baumschnitt erklärt die Grundsätze.

Pappeln an Wegen und Gräben

Pappeln gehören laut KuLaDig zu den prägenden Bäumen der Rheinaue. Hybridpappeln, also Kreuzungen aus der heimischen Schwarzpappel und der nordamerikanischen Art Populus deltoides, wachsen sehr schnell: Nach einem Baumartenporträt der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt erreichen sie in guter Wuchsklasse mit 50 Jahren rund 40 Meter Höhe, und in der Forstwirtschaft soll ihre Umtriebszeit nicht wesentlich über 40 Jahre liegen. Pappeln, die an Wegen, Gräben oder Grundstücken deutlich älter werden, erreichen also große Höhen und Kronengewichte. Bei solchen Bäumen in Fallreichweite von Wegen oder Gebäuden ist eine regelmäßige Baumkontrolle besonders wichtig.

Welche Krankheiten und Schädlinge sind typisch?

An feuchten Standorten und an Gewässern stehen Erlen, Weiden und Eschen. Hier können Wurzel- und Stammfäulen durch Phytophthora und das Eschentriebsterben eine Rolle spielen. An Eichen ist laut Waldzustandsbericht NRW 2025 das Absterben durch den Eichenprachtkäfer auffällig, unter anderem im Regionalforstamt Niederrhein, vor allem auf trockenen oder stark wasserbeeinflussten Standorten. Auch der Eichenprozessionsspinner kann an Eichen in Siedlungsnähe auftreten. Alte, hohle Kopfbäume und Pappeln werden häufig von holzzersetzenden Pilzen besiedelt; eine Einordnung bietet die Seite Pilzbefall am Baum.

Sturm und Trockenheit

In der offenen Niederrheinlandschaft stehen Baumreihen und Einzelbäume dem Wind ohne Schutz durch umliegenden Wald gegenüber. Laut Waldzustandsbericht NRW 2025 war die Vegetationsperiode 2025 vergleichsweise trocken, und die Niederschlagsdefizite im August führten im Westen Nordrhein-Westfalens zu Wasserstress in Buchenbeständen. Nach einem Sturm hilft der Ratgeber Sturmschaden am Baum.

Baumschutzsatzungen am Niederrhein

Ob ein Baum auf Ihrem Grundstück geschützt ist, regelt die Baumschutzsatzung Ihrer Stadt oder Gemeinde, sofern es eine gibt, und die Regeln unterscheiden sich zwischen Krefeld und den Gemeinden in den Kreisen Wesel und Viersen. Nach der eigenen Satzungsrecherche des Baumpflege-Ratgebers (Stand Oktober 2026) haben 4 der 9 im Ratgeber erfassten Städte und Gemeinden der Region eine Baumschutzsatzung: Krefeld, Moers, Dinslaken und Rheinberg. Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn, Voerde (Niederrhein), Hünxe und Schermbeck haben nach diesem Stand keine. Erfasst sind bisher Krefeld und Orte im Kreis Wesel, noch keine im Kreis Viersen. Satzungen werden geändert, neu erlassen oder aufgehoben; verbindlich ist die aktuelle Fassung Ihrer Stadt. Die Angaben für Ihren Wohnort finden Sie über die Ortsübersicht, das Verfahren erklärt der Ratgeber Baum fällen: Wann eine Genehmigung nötig ist.

Unabhängig von jeder Satzung gilt das Bundesnaturschutzgesetz. § 39 Absatz 5 BNatSchG verbietet es, vom 1. März bis 30. September Hecken und Gebüsche sowie Bäume außerhalb von Wald und gärtnerisch genutzten Flächen zu beseitigen oder stark zurückzuschneiden. Das betrifft auch den Kopfschnitt von Kopfweiden in der freien Landschaft. Für Bäume im Hausgarten gilt diese Sperrfrist nicht pauschal; das Artenschutzrecht schützt aber besetzte Nester und Baumhöhlen zu jeder Jahreszeit. Einzelheiten stehen im Ratgeber Fällzeiten und Vogelschutz.

Städte und Gemeinden der Region

Ob eine Baumschutzsatzung gilt, ist von Ort zu Ort verschieden. Auf den Ortsseiten steht, was geschützt ist und wer Fällungen genehmigt.

Häufige Fragen

Wie oft muss eine Kopfweide geschnitten werden?

Die Stadt Neukirchen-Vluyn empfiehlt für Kopfweiden einen regelmäßigen Rückschnitt etwa alle drei bis sechs Jahre. Ruten zum Flechten lassen sich schon nach zwei bis drei Jahren gewinnen, Brennholzstärke erreichen die Triebe nach etwa zehn Jahren.

Was passiert, wenn eine Kopfweide nicht mehr geschnitten wird?

Die Äste auf dem Kopf werden immer schwerer und verändern die Statik des Baumes; er wird kopflastig. Dann kann ein kräftiges Gewitter genügen, um den Baum auseinanderbrechen zu lassen. Ein lange vernachlässigter Kopfbaum sollte vor dem Schnitt fachkundig beurteilt werden.

Wann darf man Kopfweiden schneiden?

Der Kopfschnitt ist ein starker Rückschnitt. Bei Bäumen außerhalb von Wald und Gärten verbietet § 39 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz solche Schnitte vom 1. März bis 30. September; Kopfweiden werden deshalb in der Regel im Winterhalbjahr geschnitten. Hohle Köpfe können ganzjährig von Tieren bewohnt sein.

Wie viel Wald gibt es am Niederrhein?

Ende 2014 waren laut IT.NRW Krefeld zu 9,5 Prozent, der Kreis Wesel zu 17,7 Prozent und der Kreis Viersen zu 19,1 Prozent bewaldet. Der Landesdurchschnitt lag bei 25,9 Prozent.

Brauche ich am Niederrhein eine Genehmigung, um einen Baum zu fällen?

Das hängt von der Baumschutzsatzung Ihrer Stadt oder Gemeinde ab. Nach der eigenen Recherche des Baumpflege-Ratgebers (Stand Oktober 2026) haben Krefeld, Moers, Dinslaken und Rheinberg eine Satzung, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn, Voerde, Hünxe und Schermbeck keine. Unabhängig davon gilt vom 1. März bis 30. September die Schutzzeit nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz für Hecken und für Bäume außerhalb von Wald und Gärten; Bäume im Hausgarten fallen nicht darunter, der Artenschutz nach § 44 gilt aber überall.

Quellen

  1. IT.NRW: Bodenflächen in NRW nach Art der tatsächlichen Nutzung, Ausgabe 2015 (Stand 31.12.2014), Archivkopie
  2. Stadt Neukirchen-Vluyn: Kopfbäume (Faltblatt)
  3. KuLaDig (LVR): Lineare Gehölzstrukturen in der holozänen Rheinaue zwischen Emmerich, Rees, Kalkar und Kleve (Burggraaff 2014)
  4. NW-FVA: Binder, Hofmann – Hybridpappel (Populus x canadensis), Baumartenporträt
  5. Waldzustandsbericht NRW 2025, Langfassung (MLV NRW)
  6. § 39 BNatSchG – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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