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Kastanienminiermotte: Braune Kastanienblätter im Sommer erkennen und eindämmen

Schädling · Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit · 5 Quellen · Verantwortlich: Jan Doberstein, European Tree Worker

Kurz gesagt

Die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella) ist ein Kleinschmetterling, dessen Raupen in den Blättern der weißblühenden Rosskastanie fressen und sie ab dem Sommer braun färben. Der Baum wird geschwächt, stirbt daran aber in der Regel nicht ab. Die wirksamste Gegenmaßnahme ist, das Falllaub im Herbst vollständig einzusammeln und über die Biotonne oder den Wertstoffhof zu entsorgen, nicht auf dem eigenen Kompost.

Was ist die Kastanienminiermotte?

Die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella) ist ein nur wenige Millimeter großer Schmetterling, dessen Raupen im Inneren von Rosskastanienblättern fressen. Dabei legen sie flache Gänge und Kammern an, die Minen. Die Falter sind nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW etwa 1 bis 5 Millimeter lang.

Die Art stammt vom Balkan. Sie wurde Ende der 1980er Jahre nach Mitteleuropa eingeschleppt und breitet sich seit Anfang der 1990er Jahre stark aus. Inzwischen ist sie in ganz Mitteleuropa verbreitet und gehört in Nordrhein-Westfalen zu den bekanntesten Schädlingen an Stadt- und Gartenbäumen. Eine landesweite Zählung der befallenen Bäume gibt es nach unserer Recherche nicht.

Wie entwickelt sich die Motte im Jahresverlauf?

Die Motte bildet in Mitteleuropa je nach Witterung drei, in warmen Jahren bis vier Generationen. Ihr Lebenszyklus erklärt, warum das Laubsammeln im Herbst so wichtig ist:

  • Überwinterung: Die Puppen der letzten Generation überwintern im abgefallenen Laub am Boden.
  • Frühjahr: Ab Ende April oder Anfang Mai schlüpfen die Falter. Die Weibchen legen 20 bis 80 Eier auf die Oberseite junger Blätter.
  • Fraß: Die Raupen dringen ins Blatt ein und fressen etwa drei Wochen lang in der Zellschicht unter der Blattoberfläche.
  • Puppenruhe: Danach verpuppen sie sich im Blatt. Nach zwei bis drei Wochen schlüpft die nächste Faltergeneration.

Die Waldschutz-Fachstelle der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL nennt als typische Flugzeiten April/Mai, Juli und August/September. Mit jeder Generation nimmt die Zahl der Minen zu, deshalb sind die Kronen im Spätsommer am stärksten verbräunt.

Welche Bäume sind betroffen?

Die Kastanienminiermotte befällt vor allem die weißblühende Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Bestimmte rotblühende Rosskastanien gelten als weitgehend resistent: Die Landwirtschaftskammer NRW nennt die Scharlach-Kastanie (Aesculus × carnea 'Briotii'), auf der die aus den Eiern schlüpfenden Larven absterben. In der Nähe stark befallener Kastanien können gelegentlich auch Berg- und Spitzahorn befallen werden.

Die Esskastanie (Edelkastanie) gehört zu einer anderen Gattung. Die WSL nennt als Wirte nur Rosskastanien und gelegentlich Ahorn.

Woran erkenne ich den Befall?

Einen Befall durch die Kastanienminiermotte erkennen Sie an braunen Flecken auf den Blättern, die sich im Laufe des Sommers ausbreiten, bis ganze Blätter braun werden und früh abfallen.

MerkmalWo am BaumWann im Jahr
Kleine, gelblich-braune Flecken (Minen), gegen das Licht mit Raupe, Puppe oder Kot darinBlattoberseiteab Ende Mai/Juni
Obere Blatthaut der Mine lässt sich leicht ablösenBlattoberseiteSommer
Großflächig braune Blätter, Minen fließen ineinanderganze KroneJuli bis September
Vorzeitiger Laubfallganzer Baumab August
Kleine Falter am StammStammwährend der Flugzeiten

Die Blattunterseite ist meist weniger stark verfärbt als die Oberseite.

Womit kann man den Befall verwechseln?

Der Befall durch die Miniermotte wird am häufigsten mit der Blattbräune der Rosskastanie verwechselt, einer Pilzkrankheit. Ihre Flecken sind nach Angaben der WSL intensiv rotbraun, oft gelb umrandet, werden von den Blattnerven begrenzt und sind auf beiden Blattseiten sichtbar. Auf ihnen erkennt man winzige schwarze Punkte, die Sporenbehälter des Pilzes. Bei der Miniermotte sehen Sie dagegen im Gegenlicht Raupen oder Kot in der Mine.

Auch starke Trockenheit und Streusalz im Boden verursachen braune Blätter, vor allem an den Blatträndern. Blutende Flecken am Stamm haben dagegen nichts mit der Motte zu tun. Sie deuten auf die Pseudomonas-Rindenkrankheit oder Phytophthora hin.

Wie gefährlich ist die Motte für den Baum?

Die Kastanienminiermotte ist vor allem ein Problem für das Aussehen und den Schatten, selten für die Standsicherheit. Die WSL beschreibt, dass befallene Bäume zwar geschwächt werden, sich aber gut erholen. Ein Absterben durch die Motte allein ist nach unserer Recherche nicht die Regel.

Langfristig ist der Befall trotzdem nicht harmlos. Die Landwirtschaftskammer NRW weist darauf hin, dass über Jahre befallene Bäume anfälliger für Pilze und andere Krankheitserreger werden. Der Pflanzenschutzdienst NRW nennt die Miniermotte ausdrücklich als einen Faktor, der weißblühende Kastanien für die Pseudomonas-Rindenkrankheit schwächt, weil sie die Blattfläche stark verringert. Ein Baum mit früh braunem Laub kann im Sommer weniger Reservestoffe einlagern.

Was sollten Eigentümer tun?

Gegen die Kastanienminiermotte ist es die wirksamste und umweltfreundlichste Maßnahme, das Falllaub früh und vollständig zu entfernen. Damit holen Sie die überwinternden Puppen vom Grundstück, und der Befall im folgenden Frühjahr sinkt deutlich. Achten Sie darauf, auch Laub unter Büschen, Hecken und in Ecken einzusammeln.

Für die Entsorgung gibt die Landwirtschaftskammer NRW klare Hinweise:

  • Biotonne: Das gesammelte Laub gehört in die Biotonne.
  • Wertstoffhof: Größere Mengen können über den Wertstoffhof der Gemeinde entsorgt werden. In großen Kompostieranlagen werden die Puppen durch die Wärme bei der Rotte abgetötet.
  • Kein Gartenkompost: Ein normaler Komposthaufen bietet den Puppen ideale Überwinterungsbedingungen.

Wer trotzdem selbst kompostiert, sollte den Haufen nach Empfehlung der WSL spätestens Ende März mit einer Erdschicht oder einer Folie abdecken, damit die Falter nicht ausfliegen können. Eine Entsorgung über die Restmülltonne wird in den von uns geprüften Quellen nicht empfohlen. Was Ihre Stadt bei großen Laubmengen anbietet, erfahren Sie beim örtlichen Entsorger.

Zusätzlich hilft es, den Baum in Trockenperioden ausreichend zu wässern. Eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung fördert nach Angaben der WSL seine Widerstandskraft.

Was tut ein Fachbetrieb?

Für die Motte selbst braucht ein Privatgarten in der Regel keinen Fachbetrieb. Insektizide sind nach Einschätzung der WSL zwar möglich, meist aber unnötig. Auch Stamminjektionen mit Insektiziden werden dort als Möglichkeit genannt; sie verletzen jedoch den Stamm und gehören, wenn überhaupt, in fachkundige Hände.

Sinnvoll ist ein Fachbetrieb, wenn eine ältere Kastanie neben dem braunen Laub weitere Schäden zeigt: blutende Stellen am Stamm, Pilzfruchtkörper, abgestorbene Äste oder Risse. Dann geht es um die Verkehrssicherheit, und der Baum sollte fachlich kontrolliert werden. Ein Rückschnitt oder gar eine Fällung wegen der Miniermotte allein ist nicht angezeigt.

Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugen lässt sich vor allem durch konsequentes Laubsammeln über mehrere Jahre, am besten gemeinsam mit den Nachbarn. Natürliche Gegenspieler sind Vögel, vor allem Meisen, und heimische parasitische Wespen. Diese müssen sich nach Einschätzung der WSL aber erst noch an den neuen Wirt anpassen und ersetzen das Laubsammeln bisher nicht.

Bei Neupflanzungen ist die Scharlach-Kastanie eine Alternative, die von der Motte weitgehend verschont bleibt. Beachten Sie aber, dass auch rotblühende Kastanien für andere Krankheiten anfällig sind. Ob eine Rosskastanie an Ihrem Standort überhaupt die richtige Wahl ist, klären Sie am besten vor der Pflanzung.

Häufige Fragen

Stirbt meine Kastanie an der Miniermotte?

In der Regel nicht. Die Bäume werden geschwächt, erholen sich nach Einschätzung der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL aber gut. Über viele Jahre befallene Bäume sind allerdings anfälliger für Pilze und andere Krankheitserreger.

Darf das befallene Laub auf den Kompost?

Die Landwirtschaftskammer NRW rät davon ab, weil die Puppen im Gartenkompost gut überwintern. Empfohlen werden Biotonne oder bei größeren Mengen der Wertstoffhof. Wer doch kompostiert, sollte den Haufen spätestens Ende März dick mit Erde oder Folie abdecken.

Sind rotblühende Kastanien betroffen?

Bestimmte rotblühende Rosskastanien wie die Scharlach-Kastanie gelten als weitgehend resistent, die Larven sterben dort ab. Rotblühende Kastanien sind aber für andere Krankheiten wie die Pseudomonas-Rindenkrankheit anfällig.

Hilft Spritzen gegen die Miniermotte?

Eine Behandlung mit Insektiziden ist möglich, aber meist unnötig. Für Privatgärten ist das gründliche Laubsammeln die umweltfreundlichste und wirksamste Methode.

Warum sind die Blätter trotz Laubsammeln wieder braun?

Falter fliegen auch aus Nachbargrundstücken und von öffentlichen Bäumen zu. Laubsammeln senkt den Befall vor allem im Frühjahr deutlich, verhindert ihn aber nicht vollständig, wenn ringsum niemand sammelt.

Quellen

  1. Landwirtschaftskammer NRW: Was tun gegen die Rosskastanien-Miniermotte? (Pressemeldung 30.06.2004)
  2. Landwirtschaftskammer NRW: Kastanienlaub sorgfältig beseitigen (Pressemeldung 27.09.2012)
  3. Waldschutz Schweiz (WSL), Diagnose online: Rosskastanien-Miniermotte, Cameraria ohridella
  4. Waldschutz Schweiz (WSL): Blattbräune der Rosskastanie (Merkblatt)
  5. Landwirtschaftskammer NRW, Pflanzenschutzdienst: Rosskastaniensterben beunruhigt Baumschulen, Kommunen und Bürger (2013)

Alle Angaben nach bestem Wissen geprüft, ohne Gewähr. Für verbindliche Auskünfte im Einzelfall sind die zuständige Behörde, eine Rechtsanwältin oder ein Steuerberater zuständig.

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